Ende März habe ein Telefonat zwischen der saudischen Botschafterin in Washington, Prinzessin Reema bint Bandar Al Saud, und einer Gruppe aus 13 Senatoren stattgefunden, die Erdöl produzierende US-Bundesstaaten vertreten, berichtet der Fernsehsender CNN am Samstag.

Die US-Politiker seien wegen des Ölpreiseinbruchs enttäuscht gewesen, der den US-Herstellern geschadet habe, und hätten gedroht, die Beziehungen zwischen den Ländern „umzuwerfen“.

Der republikanische Senator von Alaska, Dan Sullivan, fasste in einem Gespräch mit CNN die Botschaften der Senatoren zusammen.

„Wir werden die Langzeitbeziehungen, welche viele von uns unterstützt haben, nicht nur überdenken, sondern Maßnahmen ergreifen, die zur Untergrabung dieser Beziehungen führen werden.“

Laut einem Zeugen des Telefonats seien die Senatoren sehr verärgert gewesen. Ihr Zorn sei beispiellos gewesen, „so anders als alles andere, was ich von dieser Gruppe gehört habe“, zitiert der Sender die Quelle.

„Texas ist wütend“

Der republikanische Senator von Texas, Ted Cruz, soll nach Angaben des Zeugen gesagt haben, dass sein Bundesstaat „wütend“ sei.

Cruz kommentierte das Gespräch früher in einer Sendung des US-Fernsehsenders CNBC.

Das saudische Königsreich ist angeblich unser Freund“, sagte damals der Politiker nach Angaben seiner offiziellen Webseite.
Washington und Riad seien eigentlich militärische und diplomatische Verbündete.

„Man benimmt sich doch nicht wie ein Freund, wenn man versucht, Tausende und Tausende kleine Betriebe überall in Texas und im Land zu zerstören.“

Ölpreissturz

Am 6. März waren Verhandlungen des Ölkartells Opec mit den im Kooperationsverbund Opec+ vereinten Förderländern, zu denen unter anderem Russland gehört, gescheitert. Die Teilnehmer konnten sich weder auf eine Änderung noch auf die Verlängerung der Vereinbarungen über die Drosselung der Ölförderung einigen. Russland wollte die bestehenden Bedingungen des Abkommens aufrechterhalten, während Saudi-Arabien für eine weitere Reduzierung der Ölförderung auftrat.

Die Aufhebung der Einschränkungen in Bezug auf die Ölförderung ab 1. April verursachte einen Ölpreissturz, der durch die sinkende Nachfrage wegen der Coronavirus-Pandemie verstärkt wurde.

Russlands Präsident Wladimir Putin machte am 3. April das Verhalten Saudi-Arabiens neben der Covid-19-Epidemie für den Ölpreiseinbruch verantwortlich: Riad sei aus dem Opec+-Deal ausgestiegen, habe seine Ölförderung ausgebaut und sogar Rohöl-Rabatte angeboten.

Förderbremse

Die weltgrößten Ölförderländer hatten sich in der Nacht zum Freitag auf eine drastische Senkung der Produktion geeinigt, um den Verfall des Ölpreises zu stoppen.

Die verabschiedete Deklaration sieht eine dreistufige Förderreduzierung ab Niveau Oktober 2018 vor. Die derzeit geförderte Menge soll zunächst im Mai und Juni um täglich zehn Millionen Barrel reduziert werden. Im Zeitraum von Juli bis Dezember 2020 sollen demnach pro Tag acht Millionen Barrel (je 159 Liter) weniger als aktuell gefördert werden. Vom 1. Januar 2021 bis zum 30. April 2022 sollen es schließlich weitere sechs Millionen Barrel weniger sein.

mo/mt

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