Aufgrund der Corona-Krise machen sich Ärzte um Frauen Sorgen, die einen Schwangerschaftsabbruch planen. Da es in Beratungsstellen und Kliniken derzeit große Einschränkungen gibt, könnten Frauen zu unsicheren Abtreibungsmethoden greifen, so die Bedenken der Mediziner.

Hintergrund sind Einschränkungen in den Beratungsstellen mit entsprechend weniger Terminen und längeren Wartezeiten. Auch in den Praxen seien die Angebote eingeschränkt, warnen Frauenärzte. In Krankenhäusern würden Abbrüche möglicherweise nicht als nötige Eingriffe angesehen. Schwangerschaftsabbrüche dürfen erst nach einer Beratung erfolgen, dies werde den Ärzten zufolge jedoch zunehmend schwieriger. Zu befürchten sei zugleich, dass es wegen der Ausgangsbeschränkungen zu mehr unerwünschten Schwangerschaften infolge einer Zunahme häuslicher und sexueller Gewalt komme.

Außerdem fordern Frauenärzte, den medikamentösen Abbruch mit telemedizinischer Begleitung entsprechend den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation bis zum Ende der neunten Schwangerschaftswoche zu Hause zuzulassen.

Es sei möglich, dass ungewollt schwangere Frauen zu unsicheren Abtreibungsmethoden griffen, „mit der Gefahr von gesundheitlichen Schäden wie Entzündungen, Sterilität, Blutungen, bis hin zum Tod“, erklärte die Gießener Ärztin Kristina Hänel. In einem gemeinsamen Schreiben von Ärzten und Beratern hieß es am Montag:

Aus Verantwortung für die Gesundheit und das Leben von Frauen fordern wir von Bundes- und Landesregierungen wie von den Krankenkassen, dass die Videoberatung oder telefonische Beratung ermöglicht wird.

Wie das Statistische Bundesamt Anfang März mitteilte, ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland im Jahr 2019 mit rund 101.000 gemeldeten Fällen gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Rund 72 Prozent der Frauen, die im Jahr 2019 einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahren alt.

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