Eine Frau unterzeichnet am 6. April vor dem Büro des Arbeitsamts in der bulgarischen Hauptstadt Sofia einen Antrag auf Arbeitslosengeld.

Bulgariens Regierung will mitten in der Corona-Krise die Schritte zur Einführung des Euro beschleunigen, damit das ärmste EU-Land bei Krisen von den Vorteilen der Eurozone profitieren könne. Dies erklärte Regierungschef Bojko Borissow am Freitag.

Die Corona-Krise habe gezeigt, dass Bulgarien der Eurozone beitreten müsse, weshalb sich sein Land „bis Ende April um die Aufnahme in das Wartezimmer für die Eurozone bewerben“ möchte, sagte der Regierungschef in einer Videobotschaft auf Facebook.

Borissow betonte, die Europäische Zentralbank (EZB) stelle viel Geld zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise bereit, das Geld sei aber vor allem für die Staaten der Eurozone bestimmt. Damit reagierte er auf die Einigung der EU-Finanzminister auf ein Corona-Rettungspaket. Die Weltbank warnt vor einem Rückgang des bulgarischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 3,7 Prozent infolge der Corona-Krise.

Damit änderte der Ministerpräsident jetzt Bulgariens Euro-Strategie: Kurz vor der Corona-Krise hatte er Sofias für April geplante Bewerbung für den europäischen Wechselkursmechanismus WKM II – das ist das sogenannte Wartezimmer für den Euro – auf Juli 2020 verschoben. Damit wollte er den Bulgaren mehr Zeit für einen „absoluten Konsens“ über die Einführung der Gemeinschaftswährung geben.

Meinungsforscher hatten Anfang 2020 ermittelt, dass lediglich 19 Prozent der Bulgaren die Einführung des Euro unterstützten. Außerdem wünschte mehr als die Hälfte der Bevölkerung ein Referendum darüber. Doch das Hilfspaket über eine halbe Billion Euro, das Brüssel in zähen Verhandlungen geschnürt hatte, überzeugte die im Parlament in Sofia vertretenen Parteien, dass Bulgariens Beitritt zur Eurozone der richtige Schritt für das verarmte Land sei.

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(rt/dpa)

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