Wie lange sie dauert und welche Probleme damit einhergehen – das lesen Sie in diesem Artikel.

Corona frisst Jobs

Wie Experten der Bank of America erwarten, wird diese Krise eine der schlimmsten in der Geschichte sein. Bereits im zweiten Quartal wird das BIP einen massiven Rückgang von 12 Prozent verzeichnen – ein Minusrekord seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Hauptgründe – Rückgang der Geschäftsaktivität und der Verbraucherausgaben wegen Covid-19.

„Wir erklären offiziell, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession eingetreten ist und sich der restlichen Welt angeschlossen hat“, hieß es in einem Bericht, der von Analysten unter Leitung der Chefexpertin der Bank of America, Michelle Meyer, erstellt worden ist. Ihr zufolge hat der „tiefe Fall bereits begonnen“, weil Covid-19 fast alle Sektoren der Wirtschaft traf.

Die Krise führe zum rapiden Anstieg der Arbeitslosigkeit und zum Rückgang der Einnahmen der Bevölkerung. Im Laufe des gesamten zweiten Quartals werden eine Million Amerikaner jeden Monat ihre Jobs verlieren. Im Ergebnis werde die Arbeitslosenquote bei 3,5 Mio. Menschen liegen. Am härtesten werde es die Bereiche Entertainment, Verkehr, Hotels und Einzelhandel treffen.

Die Zahl der Anträge für Arbeitslosengelder hat bereits rapide zugenommen, nachdem Unternehmen ihre Beschäftigten als Vorsichtsmaßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus nach Hause schickten. In der vergangenen Woche gingen 281.000 neue Anträge ein – das ist der höchste Wert seit zwei Jahren (Analysten erwarteten höchstens 220.000 Anträge). Am stärksten betroffen waren unqualifizierte Mitarbeiter mit Stundenlohnbasis.

„So ist der Effekt einer absteigenden Spirale der Wirtschaftsaktivität – der äußere Schock bewegt die Verbraucher zu weniger Ausgaben, Unternehmen bekommen weniger Gewinne und entlassen anschließend Mitarbeiter“, sagte Chris Rupki, Chefökonom der MUFG Union Bank.

Allerdings sei der Personalabbau nur vorübergehend. Die Arbeitgeber werden die Entlassenen zurückholen, sobald die Infektionsrate nachlässt. Doch wann es dazu kommen wird, weiß niemand. Wie es aus dem Weißen Haus heißt, könnte der Kampf gegen Covid-19 bis zu 18 Monaten dauern.

Goldman Sachs und Morgan Stanley kündigten ebenfalls den Beginn einer Rezession an. Laut Morgan Stanley gilt als Basisszenario die Verlangsamung des Wachstums des globalen BIP in diesem Jahr um 0,9 Prozent. Goldman Sachs ist noch pessimistischer gestimmt – ihre Prognose liegt bei 1,25 Prozent.

Davor warnte auch das in Washington ansässige Institut für internationale Finanzen IIF. Nach dessen neuesten Angaben wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr nur 0,4 statt 1,6 Prozent zulegen.

IWF stuft bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Monats seine Prognose herab. Noch Anfang März sprachen die Experten von 2,6 Prozent.

Nun sind sich Analysten des Instituts sicher, dass ein Drittel der Weltwirtschaft von der Krise erfasst ist. So ist eine Rezession in den USA, der EU und Japan zu erkennen, auf die jeweils 15,1 Prozent, elf Prozent und vier Prozent des Welt-BIP entfallen. Laut IIF wird der Rückgang mindestens bis Mitte des Jahres anhalten.

Dass die US-Wirtschaft nicht mehr wächst – davon ist auch eine der größten US-amerikanischen Business Schools, UCLA Anderson, überzeugt. So sind demnach bis Ende September keine positiven Veränderungen zu erwarten. Die US-Wirtschaft werde um 6,5 Prozent im zweiten Quartal und um 1,9 Prozent im dritten Quartal zurückgehen. Zur Erinnerung: Ein negatives Wirtschaftswachstum mit zwei Quartalen mit einem negativen Wachstum in Folge, gemessen in BIP, wird von Wirtschaftsexperten als Rezession bezeichnet.

Wie die Bank of America betont, hängt der Umfang des Rückgangs und die Geschwindigkeit der anschließenden Erholung der Wirtschaft direkt von der Effizienz der Staatspolitik ab. „Die Fed ist auf der Bewahrung des Finanzsystems mit Liquidität konzentriert, während die Regierung sich mit der Krise um die Liquidität im Realsektor befassen muss“, so BofA-Experten.

Frackingindustrie reißt US-Wirtschaft mit in den Abgrund

Die Analysten stellen fest: Die US-Wirtschaft ist mit Problemen nie dagewesener Ausmaße konfrontiert – weder nach den 9/11-Anschlägen noch während der „großen Rezession“ im Jahr 2008. Damals stieg die Arbeitslosenquote auf zehn Prozent, das BIP sackte um mehr als vier Prozent ab.

Laut Prognose des US-Finanzministers Steven Mnuchin könnte die Arbeitslosenquote nun auf 20 Prozent steigen, wenn die Behörden keine radikalen Schritte unternehmen, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzuschwächen.

Nach Angaben des Magazins “The Hill” verschärft der Ölstreit zwischen Russland und Saudi-Arabien die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für die USA. Es ist klar, dass das erste Opfer des Preiskriegs die US-Frackingindustrie sein wird.

„Die Opec-Führung hat zwar noch die Hoffnung, dass der Preissturz ein Antrieb zur Versöhnung zwischen den zwei Öl-Schwergewichtlenr wird, doch Putin hat offenbar nicht vor, schnell Zugeständnisse zu machen“, sagte die Rohstoffexpertin von RBC Capital Markets, Helima Croft. Russland wolle anscheinend die US-Fracker als Antwort auf die US-Sanktionen vom Markt scheuchen.

Der Expertin zufolge prahlte Trumps Administration mehrmals mit der Fähigkeit, außenpolitische Gegner zu bestrafen, indem der Ölexport schnell reduziert wird, und dabei der Schutz vor Preisauswirkungen dank soliden inländischen Energielieferungen beibehalten wird.

Doch scheinen US-Schieferölunternehmen die jetzigen Preise nicht überleben zu können – im Unterschied zu Saudi-Arabien und Russland. Der Abbau der Energiebranche und der Verlust des Status als weltweit größter Ölproduzent würden der gesamten US-Wirtschaft einen heftigen Schlag versetzen.

* Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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