In Baku, Aserbaidschan, werden aserbaidschanische Armeeangehörige in Militärfahrzeugen begrüßt. 27. September 2020

Der schwelende Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien eskalierte vor zwei Tagen. Die Behauptung, die Türkei versende Söldner aus Syrien nach Aserbaidschan, wies die Türkei kategorisch zurück. Russland und China rufen beide Länder zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach ist erneut aufgeflammt. Am zweiten Tag der Gefechte kündigte der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev eine Teilmobilisierung der Streitkräfte an. Aus dem Präsidialamt wurde bekanntgegeben, dass Aliyev das entsprechende Dekret bereits unterschrieben habe. Gestern hatte Armenien die Mobilmachung verkündet.

„Letzte Warnung“ aus Baku

Ein armenischer Soldat sitzt in einem Schützengraben an einer Artilleriestellung in der Nähe der Stadt Martuni in Bergkarabach.

Aus dem aserbaidschanischen Verteidigungsministerium verlautete bezüglich der Spannungen zwischen den beiden Staaten, dass die armenische Armee in den Morgenstunden das Feuer auf die Stadt Tertez eröffnet habe.

Wir warnen Armenien zum letzten Mal. Wir werden Gegenmaßnahmen ergreifen und das Feuer erwidern“, hieß es aus dem aserbaidschanischen Verteidigungsministerium. 

Gleichzeitig wurde aus dem Ministerium vermeldet, dass die aserbaidschanische Armee einige Orte in der Umgebung von Talish eingenommen habe.

Auch das aserbaidschanische Parlament hatte in einigen Bereichen den Kriegszustand ausgerufen. Armenien auf der anderen Seiten hatte den Ausnahmezustand deklariert und Reservesoldaten einberufen.

China und Russland rufen zur Mäßigung auf

Angesichts der eskalierenden Krise werden auf internationaler Ebene Rufe zur Besonnenheit laut. „Frieden und Stabilität in der Region ist im allseitigen Interesse“ hieß es aus dem chinesischen Außenministerium, während beide Länder zur Entspannung und zum Dialog aufgerufen werden. Auch Russland hatte beide Länder zur Zurückhaltung aufgefordert.

Russland rief zudem beide Konfliktparteien auf, eine angemessene und vorsichtige Sprache zu verwenden. Der russische Stellvertreter des Außenministers, Andrej Rudenko, sagte:

Wir rufen sowohl innere und als auch äußere Akteure auf, sich in ihren Erklärungen äußerst maßvoll zu verhalten, ihre Sprache eingeschlossen. […] Damit so schnell wie möglich ein Waffenstillstand erreicht und an den Verhandlungstisch zurückgekehrt werden kann, ist es sehr wichtig, äußerst vorsichtig und sorgfältig zu sein.

Kämpfer der

Armenien und Aserbaidschan beschuldigen sich gegenseitig, schwere Waffen zu benutzen und Zivilisten zu töten. Beide Seiten werfen sich vor, zuerst das Feuer eröffnet zu haben. In beiden Ländern wurde inzwischen der Ausnahmezustand ausgerufen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion beanspruchen Armenien und Aserbaidschan die Region Bergkarabach, die vollständig innerhalb des aserbaidschanischen Territoriums liegt. Während des 1988 ausgebrochenen Krieges besetzte Armenien Bergkarabach, das sich 2017 für unabhängig erklärte. Völkerrechtlich gehört Bergkarabach Aserbaidschan, weshalb die Unabhängigkeit von keinem Staat der UN anerkannt wird. 1994 wurde ein Waffenstillstand erreicht.

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