„Die deutsch-russischen Beziehungen haben eine solide Grundlage, und ich hoffe auf ihre Nachhaltigkeit. Es ist unsere Pflicht, die Beziehungen zwischen unseren Ländern zu schützen. Niemand sollte versuchen, unsere Völker zu verfeinden. Dies ist jetzt besonders wichtig, wenn vieles einen Anlass zur Sorge gibt. Die Lage in Europa und in der ganzen Welt ist beunruhigend“, sagte Gorbatschow während einer Online-Diskussion anlässlich des 30. Jahrestages des sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrags.

Dabei wies der ehemalige Staatspräsident der UdSSR darauf hin, dass die Gründe für die aktuelle Situation komplex seien, erwähnte jedoch in diesem Zusammenhang „die Verantwortung derer, die sich als Sieger im Kalten Krieg bezeichneten“. 

„Es wurde viel durchgestrichen, was wir vor 30 Jahren aufgebaut hatten – Abrüstungsverträge, Kooperationsprogramme und vor allem Vertrauen. Und man braucht große Anstrengungen, politischen Willen und Weisheit, um das Vertrauen wieder aufzubauen und auf den Weg der Zusammenarbeit zurückzukehren. Es ist schwierig, aber möglich – da bin ich mir sicher“, betonte Gorbatschow.

Am 12. September 1990 unterzeichneten die Außenminister der BRD, DDR, UdSSR, USA, Frankreichs sowie Großbritanniens den sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag, der offiziell als Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland bezeichnet wird. Dieses Dokument garantierte unter anderem die Souveränität des künftigen deutschen Staates und trat am 15. März 1991 in Kraft.

Gorbatschow: Weg zur Deutschen Einheit war nicht einfach

Der ehemalige Staatschef der Sowjetunion gab auch zu, dass der Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands nicht einfach gewesen sei, weil es in Europa und in der Sowjetunion daran Zweifel gegeben hätte, weil man sich damals noch an den vom Nazi-Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg erinnert hätte.

Gorbatschow erinnerte die Teilnehmer der Diskussion daran, dass das sowjetische Volk in diesem Krieg beispiellose Verluste erlitten hätte. Daher sei bei der Wiedervereinigung Deutschlands die Position der Sowjetunion von grundlegender Bedeutung gewesen, betonte der Politiker.

„Trotz der Schwierigkeiten, Hindernisse und Risiken konnten wir eine wichtige historische Tat vollbringen. Es wurden Dokumente unterzeichnet, die den Grundstein für die Sicherheit in Europa unter neuen Bedingungen legten“, fügte Gorbatschow hinzu.

Wiedervereinigung  – Ergebnis der gesellschaftlichen Änderungen

Dem Ex-Staatspräsidenten der UdSSR zufolge sei die Wiedervereinigung Deutschlands im Großen und Ganzen das Ergebnis der Änderungen in der zweiten Hälfte der 80er Jahre gewesen, wobei der erste Anstoß für diesen Prozess die Änderungen in der UdSSR selbst, darunter „Perestroika“ und „Glasnost“, gewesen seien. Nachdem die sowjetische Regierung den Menschen in der UdSSR diese Rechte und Freiheiten eingeräumt hätte, hätte sie sich nicht in die Bestrebungen der Nachbarvölker einmischen können, so Gorbatschow.

Zum Schluss teilte Gorbatschow mit, dass die Deutschen alle Verpflichtungen gemäß dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 erfüllt und die nötigen Lehren aus ihrer grausamen Vergangenheit gezogen hätten.

ac/mt

Kommentar hinterlassen