Nach Ansicht von Experten von der Bank of America und der Raiffeisenbank verfügen russische Ölunternehmen in diesem Wettbewerb über bestimmte Vorteile: Angesichts niedrigster Produktionskosten, eines flexiblen Steuersystems sowie eines freien Rubel-Wechselkurses könnten russische Firmen selbst in einem äußerst pessimistischen Preisszenario weiter pumpen, bis Ölpreise 15 bis 20 Dollar pro Barrel erreichen würden.

Zudem würden die russischen Produzenten einen Teil ihrer Einnahmen in US-Dollar erhalten und fast ausschließlich in Rubel ausgeben. Sie könnten also in die zukünftige Produktion investieren, während die globalen Konkurrenten ihre Ausgaben kürzen müssten.

Zuvor hatte Bloomberg unter Verweis auf mit der Materie vertraute Quellen berichtet, Saudi-Arabien habe Rohöl der Marke Arab Light mit Lieferungen nach Rotterdam zu 25 US-Dollar pro Barrel angeboten. Im Vergleich zu russischem Rohöl der Marke Urals wäre das ein riesiger Rabatt.

Zudem sollen europäische Raffinerien Öllieferungs-Angebote von dem Konzern Saudi Aramco bekommen haben, die die üblichen Volumina wesentlich übertreffen würden.

Ölpreiseinsturz

Am Montag waren die Ölpreise so schnell wie seit 30 Jahren nicht gefallen. Nach gescheiterten Verhandlungen der führenden Förderstaaten über eine Drosselung der Ölproduktion befürchten Investoren einen Preiskrieg. Der Rubel-Wechselkurs zum Euro und dem US-Dollar war ebenfalls gesunken.

Nach einem der stärksten Einbrüche in der Geschichte des Ölmarktes zum Wochenauftakt hat sich die Lage zwischenzeitlich etwas beruhigt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet am Donnerstagnachmittag 33,57 Dollar.

Gescheiterte Verhandlungen der Opec+-Länder

Vergangene Woche waren die Verhandlungen des Ölkartells Opec mit den in der Opec+ vereinten Förderländern wie Russland gescheitert. Das Opec-Abkommen zur Drosselung der Ölförderung gilt seit Anfang 2017. Seitdem wurde es mehrmals verlängert und seine Bedingungen wurden geändert. Bis Ende 2019 sah das Abkommen eine tägliche Förderkürzung von 1,2 Millionen Barrel im Vergleich zum Oktober 2018 vor. Im ersten Quartal 2020 reduzierte das Kartell die Förderung um 1,7 Millionen Barrel.

asch/ae

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