Immer wieder muss der Heinsberger Landrat Stephan Pusch gegen Materialmangel in seiner Region ankämpfen. Das veranlasste ihn, China um Unterstützung zu bitten. Eine Nachfrage von „hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg dazu lässt ihn aufkochen.

Der Landrat des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch (CDU), hat während der Sendung „Hart aber fair“ am Montagabend erneut auf die drastische Lage angesichts der Corona-Epidemie verwiesen. Als die Gesundheitsministerin von Rheinland-Pfalz, Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), zu den Bemühungen von Bund und Ländern zur Erhöhung der Kapazitäten der Krankenhäuser sprach, unterbrach der sichtlich aufgeregte Landrat sie und wies darauf hin, dass das Krankenhauspersonal auch mit der entsprechenden Schutzausrüstung arbeiten müsse. 

Daraufhin schilderte der Moderator Frank Plasberg kurz, dass Pusch einen offenen Brief an die chinesische Regierung mit der Bitte um Hilfe geschickt hatte. Er fragte, wie es dazu kam und nannte das einen „ungeheuren Vorgang“

Pusch sagte, dass seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie eine enorme Menge an Schutzkitteln und Atemschutzmasken verbraucht werde. Das sei für Laien schwer vorstellbar:

Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich als Landrat, als Mitglied eines Krisenstabes mal neben den Krankenhäusern von Tag zu Tag, manchmal nur zwei, drei Tage im Vorlauf Material bekomme, um die Menschen, die in den Krankenhäusern ihr Leben riskieren mit der Arbeit am Patienten, um sie ausreichend mit Schutzmaterial zu versorgen.

Die Unterversorgung mit Atemschutzmasken und Schutzkitteln sowie anderen medizinischen Gütern, etwa Desinfektionsmitteln, sei ein „Riesenproblem“. Das hätten Gespräche mit Krankenhäusern aus anderen Regionen ergeben. Anspielend auf die Äußerung seines Parteikollegen, des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, dass man jetzt noch einmal durch ein tiefes Tal gehe, erklärte er:

Ich habe eigentlich den Eindruck, dass wir von Anfang an durch den Grand Canyon laufen, weil was wir an Maßnahmen, auch an Einfallsreichtum mittlerweile entwickeln müssen, um an ausreichend Schutzmaterial zu kommen. (…) Das macht einen schon sehr betroffen.

Der CDU-Politiker, der schon seit Wochen an der Frontlinie im Kampf gegen die Corona-Epidemie steht, warnte, dass, wenn es nicht gelingt, die Kliniken mit ausreichend Schutzmaterial zu versorgen, man in Deutschland Zustände wie in Spanien oder England haben werde, wo Mediziner versuchen würden, sich mit Plastiktüten vor Infektionen zu schützen:

Das darf auf keinen Fall passieren. Das ist die Achillesferse unseres gesamten Gesundheitssystems. 

Im Gegensatz zu Deutschland sind chinesische Hilfestellungen in Italien gern gesehen.

Danach sprach er seinen inzwischen deutschlandweit beachteten offenen Brief an die chinesische Regierung an:

Wenn ich gedacht hätte, ich schreibe die chinesische Botschaft oder den Staat China an, um an Schutzkleidung zu kommen, dann hätte ich vor ein Paar Wochen noch gesagt: Du bist bekloppt. Aber man muss, glaube ich, in solchen außergewöhnlichen Situationen auch außergewöhnliche Wege gehen.

Auf die Frage, ob die chinesische Regierung schon auf den Brief reagiert hätte, antwortete der konservative Landrat, dass sich zu seiner großen Freude der chinesische Generalkonsul in Düsseldorf im Auftrag der Botschaft gemeldet habe. Dieser habe um eine Liste mit den benötigten Gegenständen gebeten und erklärt: „Wir wollen euch gern helfen. Wir haben vom deutschen Staat, von Nordrhein-Westfalen in den letzten Wochen und Monaten auch viel Hilfe erhalten. Wir möchten gern etwas zurückgeben.“

Zum Schluss brachte der Landrat seinen Wunsch zum Ausdruck, sich einige Wochen nicht nur ständig um die Beschaffung von Material kümmern zu müssen, um Zeit zu haben, sich anderen wichtigen Themen zu widmen, etwa der Wirtschaft seiner Region.

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