Mit den Massentests wollen also die südkoreanischen Ärzte die rasche Ausbreitung des Coronavirus zeitgerecht eingedämmt haben: Die Sterberate liegt dort derzeit relativ niedrig – bei 1,3 Prozent. Nach übereinstimmenden Angaben testet das Land rund ein Drittel mehr als die Bundesrepublik, nicht nur bei Symptomen, sondern auch die breite Masse – mithilfe von den noch vor dem Ausbruch des Virus entwickelten Testsystemen. Viele südkoreanische Labors werten die Proben zudem offenbar mit Vollautomaten aus, während in Deutschland bislang größtenteils teilautomatisiert getestet wird. Immer mehr beklagen sich die Deutschen in den sozialen Netzwerken, dass sie selbst trotz Symptomen fast keine Chance auf Tests hätten.

Da fällt manchen dubiosen Geschäftemachern bzw. verzweifelten Kurzarbeitern ein: Warum die heiß begehrten Tests neben den Atemschutzmasken nicht nach Deutschland importieren bzw. deren Importe vermitteln? So erzählte eine Münchnerin, die gerade lediglich mit 60 Prozent ihres monatlichen Gehaltes rechnen kann, ihre teure Miete aber doch bezahlen muss, anonym gegenüber Sputnik, dass sie es vor Tagen über das chinesische Geschäftsportal Alibaba.com versucht habe. Dort bieten mehrere Firmen, manche direkt aus Wuhan, Corona-Testsysteme für einen Preis von zwei bis etwa 40 Euro pro Packung an, auch für den selbständigen Verbrauch, und behaupten bei persönlicher Kontaktaufnahme, gerade etwa „72 Kartonschachteln nach Katar geliefert zu haben“. Weiterhin: Man habe schon keine Vorräte mehr, denn auch die Nachfrage der nahöstlichen Länder sei enorm. Deutschland tue sich dagegen  mit „strikten Regeln“ „unglaublich schwer“. Warum?

Antikörper-Tests sind für Deutschland die falschen

Tests zum Nachweis auf das neue Coronavirus sind sogenannte In-vitro Diagnostika, bedürfen also einer Laboruntersuchung. Eine entsprechende Sputnik-Anfrage kommentierte der Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit, Sebastian Gülde, wie folgt:

„Bei den diversen Corona-Testsystemen, die asiatische Hersteller über Alibaba.com verkaufen würden, handelt es sich um Antikörper-Tests. Diese Tests weisen die vom menschlichen Körper gebildeten Antikörper auf das Virus nach und nicht das Virus selbst. Derartige Antikörper sind jedoch erst frühestens eine Woche nach der Infektion, in der Regel aber erst nach ca. 14 Tagen nachweisbar.“

Daher bestehe also ein nicht geringes Risiko, dass der Schnelltest ein negatives Resultat zeige, so Gülde weiter,  die getestete Person jedoch bereits hochinfektiös sei und sich in falscher Sicherheit wiege. Auch ist nach den Berufsverbänden der Akkreditierten Medizinischen Labore in Deutschland und der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie derzeit völlig ungeklärt, ob ein positiver Antikörpertest nicht auch durch eine frühere Infektion mit einem anderen Coronavirus verursacht sein könnte.

Es sind in erster Linie die Anforderungen des deutschen Medizinproduktegesetzes, die den chinesischen Tests den Zugang zum deutschen Markt erschweren. Mit der weiteren erforderlichen CE-Kennzeichnung gebe der Hersteller eben an, dass das Produkt alle grundlegenden Anforderungen der europäischen Richtlinie über In-Vitro-Diagnostika erfülle, erklärt Gülde weiter.

„Tests, die diese Anforderungen nicht erfüllen, sind nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich, wenn Infizierte sich aufgrund eines falschnegativen Ergebnisses in Sicherheit wiegen.“

Keine Behandlung aufgrund der chinesischen „Schnelltests“?

Allerdings liege es eben daran, dass die deutsche gesetzliche Krankenversicherung nur auf die sogenannten PCR-Tests gewähren könne und die Kosten von allen anderen „Schnelltests“ nicht von den Krankenkassen übernommen würden, wies eine Sprecherin der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in einem Sputnik-Gespräch hin. Es soll so gut wie sicher sein: Wenn chinesische Schnelltests doch irgendwie auf dem deutschen Markt ankommen, setzen sie nicht den Erregernachweis durch einen PCR-Test aus einem Abstrich. Ein angeblich positives Ergebnis durch einen „Schnelltest“ setzt auch nicht voraus, dass die Person dann doch ihren PCR-Test bekommt, geschweige denn eine medizinische Behandlung.  

Laut der chinesischen staatlichen Zeitung „China Daily“ sind insgesamt über zehn private Firmen berechtigt, diverse Corona-Tests zu produzieren. Die gute Hälfte davon, in erster Linie die der marktführenden Guangzhou Wondfo Biotech Co Ltd, dürften jedoch eine CE-Kennzeichnung bekommen haben. Allerdings geht es dabei um sämtliche Antikörper-Tests. Die Geschäfte sollen gut laufen, denn was Deutschland stört, stört nicht unbedingt die anderen.

In dem Land mit dem nach dem Weltärzteverband „besten Gesundheitssystem der Welt“ reichen bisher laut dem Robert Koch-Institut (RKI) die deutschen Laborkapazitäten derzeit für rund 160.000 Tests pro Woche. In Hannover, Duisburg, Bochum, bei München oder in Brandenburg soll es seit kurzem auch sogenannte „Drive-Ins“ geben: Man fährt mit dem Auto zu einer Teststation, lässt einen Abstrich aus dem Rachenraum machen und fährt weiter – allerdings wenn der Arzt es verordnet hat. Wie oft diese genutzt werden, weiß man in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung noch nicht. Von Südkorea scheint die Bundesrepublik aber schon etwas gelernt zu haben.

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