Krankenhaus in Essen im März 2020 (Symbolbild)

Die Mitarbeiter der DRK-Kliniken Nordhessen wurden aufgefordert, zum Wohle des angeschlagenen Unternehmens auf Teile ihres Lohns zu verzichten. Zugleich warf die Geschäftsführung der Kliniken der Regierung vor, die Krankenhäuser in der Corona-Krise im Stich zu lassen.

Die DRK-Kliniken Nordhessen haben von ihren Mitarbeitern verlangt, auf einen Teil ihres Gehalts, Urlaubstage und die Vergütung von Überstunden zu verzichten. Das berichtet das hessische Nachrichtenportal Extra Tip. Mit ihrem Verzicht sollen die Mitarbeiter dem Bericht zufolge zur „finanziellen Gesundung“ der Kliniken mit ihren Standorten in Kassel-Wehlheiden und Kaufungen beitragen.

Das Portal zitiert Mitarbeiter der DRK-Kliniken mit der Aussage:

In einer Mitarbeiterversammlung vor 14 Tagen wurde den Anwesenden unterbreitet, dass es nicht gut um die Kliniken stehe.

Nachdem die DRK-Kliniken Nordhessen aus finanziellen Gründen bereits Ende 2019 einen Standort schlossen, sollen nun die Mitarbeiter direkt durch Verzicht die Finanzen der Kliniken entlasten. Eine Mitarbeiterin sagte Extra Tip zufolge:

Man erwartet von uns: Sechs Prozent Lohnverzicht, fünf Urlaubstage weniger, und die Überstunden sollen auch nicht mehr vergütet werden.

Sie empfinde diese Maßnahmen „in Anbetracht des Pflegekräftemangels als Schlag ins Gesicht der überforderten Ärzte und Pflegekräfte“. Das Portal zitiert Teilnehmer der Betriebsversammlung mit der Aussage, dass sich 80 Prozent der Anwesenden gegen diese Forderungen ausgesprochen hätten und ihnen daraufhin mit der Insolvenz des gemeinnützigen Unternehmens gedroht worden sei.

Die Kommunikationsberaterin Simone Hoffmann, die als Sprecherin für die Kliniken fungiert, sprach dagegen gegenüber dem Portal von einer konstruktiven Diskussion auf der Veranstaltung. Mitarbeiter hätten eigene Verbesserungsvorschläge vorgebracht, wozu von der Geschäftsführung auch ausdrücklich eingeladen worden sei. Anders als von den Mitarbeitern dargestellt, sei nicht mit der Insolvenz des Unternehmens gedroht worden.

Allerdings verwies Hoffmann auch auf die schwierige Lage der Kliniken in Deutschland insgesamt:

Dass die Situation für deutsche Krankenhäuser angespannt ist, ist kein Geheimnis. Mittlerweile sind mehr als 50 Prozent der Krankenhäuser deutschlandweit von Insolvenz bedroht, in Zeiten von Pandemien ist das ein Desaster!

Die Sprecherin verwies auch darauf, dass die DRK-Kliniken Nordhessen in der aktuellen Krise ihre Beatmungskapazitäten mehr als verdoppelt hätten, um die Versorgung der Bevölkerung im Notfall gewährleisten zu können. Der Sanierungsprozess sei aufgrund der Pandemie ausgesetzt worden.

Die Vorgänge an den Kliniken in Hessen bilden einen interessanten Kontrast zu den derzeit fast täglich zu hörenden Politikeraussagen, die Dank und Anerkennung für Ärzte und Pflegekräfte fordern, aber von den grundlegenden Defiziten und Problemen eines auf Rendite zielenden privatisierten Gesundheitssystems schweigen.

Die Zwänge eines solchen Systems sprechen auch aus einem öffentlichen Statement, in dem die Geschäftsführung der nordhessischen DRK-Kliniken der Bundesregierung in deutlichen Worten vorwarf, die Kliniken in der aktuellen Krise im Stich zu lassen. In dem Schreiben heißt es:

Wir sind wütend: Wir haben alle Anforderungen der Bundesregierung umgesetzt, die angeordnet wurden, um auf den Ansturm von Corona-Patienten vorbereitet zu sein. Konkret haben wir alle verschiebbaren OPs abgesagt, zum Teil Patienten, die bereits in unserem Haus waren, wieder entlassen, Intensivkapazitäten hochgefahren und wären bereit, einen stillgelegten Krankenhausstandort zu reaktivieren, was sicherlich mehr Sinn macht als Turnhallen und Hotels zu ertüchtigen. 

Aber das alles kostet Geld und mindert unsere Erlöse empfindlich. Wir haben an die Aussagen von Gesundheitsminister Spahn geglaubt, der einen adäquaten Finanzausgleich versprochen hat. Seit gestern wissen wir: Die in Aussicht gestellten Mittel reichen hinten und vorne nicht. 

Wir haben nicht genug Geld, um ausreichend Hygieneausstattung zu besorgen, da die Preise weltweit gerade exponentiell steigen, wir haben nicht genug Geld, um unsere Corona-Patienten adäquat zu versorgen, denn wir brauchen zusätzlich zu den Maßnahmen, die wir aus eigener Kraft gestemmt haben, Finanzhilfen, mit denen wir Beatmungsgeräte kaufen können. Und durch die Kapazitäten, die wir für Corona-Patienten freihalten, ist zudem die Versorgung von Notfallpatienten eingeschränkt. Das geht nicht nur uns so, das geht fast allen Häusern so.

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