Britische Truppen bilden Peshmerga-Kämpfer bei einer Übung in Erbil aus

Großbritannien hat einige seiner Streitkräfte von einer Ausbildungsmission im Irak abgezogen, da sich die Operationen infolge der COVID-19-Pandemie verzögert haben. Die Krankheit zwang das britische Militär, seine Prioritäten zu überdenken.

Eine unbestimmte Anzahl der etwa 400 britischen Soldaten wird aus dem Irak abgezogen und nach Hause geschickt. Sie sollen „Angehörige unterstützen, die sich den Herausforderungen des Virus stellen“, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Einige „wichtige Militärangehörige“ sollen jedoch zurückbleiben.

Die britischen Truppen wurden im Jahr 2014 in den Irak entsandt, um kurdische Streitkräfte für den Kampf gegen den Islamischen Staat auszubilden. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte nun jedoch, dass das Virus den „Fortgang der Ausbildung“ verzögert und dazu geführt habe, dass die Mission in den letzten 60 Tagen unterbrochen worden sei. Bevor die Kurden ausgebildet wurden, kämpften britische Soldaten in den Jahren 2003 bis 2011 an der Seite von US-amerikanischen und Koalitionstruppen im Irak. Dieser Krieg kostete 180 Briten das Leben und war in der Öffentlichkeit unbeliebt.

Die globale Pandemie, in der weltweit bereits mehr als 225.000 Menschen infiziert und fast 10.000 getötet wurden, zwang die britische Regierung, ihre militärischen Prioritäten neu zu überdenken. Wallace kündigte auch an, dass das Verteidigungsministerium 10.000 Militärangehörige in Bereitschaft stellen würde, um die öffentlichen Dienste im Vereinigten Königreich zu unterstützen.

Die „COVID-Unterstützungstruppe“ besteht aus Truppen im aktiven Dienst, während Reservisten auch angewiesen wurden, sich auf den Einsatz vorzubereiten. Es bleibt unklar, ob einer der aus dem Irak zurückkehrenden Soldaten zur COVID-Unterstützungstruppe versetzt wird.

Das britische Militär ist nicht das einzige, das von COVID-19 betroffen ist. In der vergangenen Woche stoppte die Pandemie die Entsendung von etwa 20.000 US-amerikanischen Soldaten nach Europa, wo sie an der Übung „Defender Europe 2020“ teilnehmen sollten. Die Übung soll US-Truppen angeblich auf die Abwehr einer groß angelegten Invasion in Europa vorbereiten und wurde von Moskau als Provokation kritisiert.

Wie im Falle Iraks erreichte das sich ausbreitende Corona-Virus das, was der internationalen Opposition nicht gelang: Es schickt Truppen nach Hause.

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