Ihm zufolge werden die beiden Staaten dadurch das gegenseitige Vertrauen stärken und die Kooperationsbereiche erweitern. China leistet derzeit Unterstützung fast an alle am stärksten betroffenen Länder Europas, obwohl die Epidemie auch in China selbst nicht endgültig zu Ende gegangen ist. Doch die Idee der Schaffung einer sogenannten Seidenstraße der Gesundheit sieht etwas mehr als einfach humanitäre Hilfe vor.

Die Corona-Epidemie, die sich rasant schnell in Europa verbreitet, führte zur Enttäuschung einiger Länder von der Fähigkeit der EU, koordiniert auf Bedrohungen zu reagieren. Wie Serbiens Präsident Aleksandar Vucic zuvor sagte, habe man verstanden, dass es keine große internationale bzw. europäische Solidarität gebe. Es sei nur ein Märchen auf dem Papier. Der Grund der scharfen Äußerungen von Vucic war, dass Serbien keine medizinischen Waren bzw. Apparate aus EU-Ländern importieren konnte. In ähnlicher Lage befindet sich auch das von Covid-19 am stärksten betroffene EU-Land: Italien. Zuvor hatte es um Hilfe via das Koordinierungszentrum für Reagieren auf Notsituationen gebeten. Dennoch halfoffiziell lange Zeit kein einziges EU-Land den in Not geratenen Italienern. Zudem verboten sogar einige Länder wie Deutschland den Export von Medikamenten und Ausrüstung.

Peking schickte daraufhin 300 Ärzte und Krankenschwestern, zwei Millionen Atemschutzmasken, 50.000 Sets für Corona-Tests nach Italien. Auch Russland leistete Hilfe – es wurden neun Il-76-Maschinen geschickt – acht mobile Brigaden mit Virologen und Ärzten, mobile Desinfektionsanlagen sowie medizinische Ausrüstung.Ein zehntes Flugzeug ist bereits aus Russland nach Italien abgeflogen.

Viele Länder sollen sich von den europäischen Institutionen im Stich gelassen fühlen und orientieren sich deshalb nun auf China, behauptet Wang Yiwei, Professor am Institut für internationale Beziehungen der Chinesischen Volksuniversität, gegenüber Sputnik. Denn das chinesische System habe sich als effektiver erwiesen.

„Italien wandte sich zunächst an seine europäischen Partner. Doch es gab lange Zeit keine Antwort. Das einzige, was die EU anbot, war gewisse materielle Hilfe. Deutschlandverbot sogar den Export der Atemschutzmasken und anderer medizinischer Waren. Im Ergebnis fühlte sich Italien von der EU allein gelassen und bat China um Hilfe. Generell ist auch die Teilnahme Italiens an der „Belt and Road“-Initiative das Ergebnis der Enttäuschung über die westlichen Kooperationsmodelle. Jetzt wird die Effizienz des chinesischen Staatssystems zunehmend sichtbarer für die restliche Welt. Alle bemühen sich, Chinas Erfahrungen zu nutzen, darunter auch Russland, das mit dem Bau eines Corona-Krankenhausesbegann. Ich denke, das zeigt, dass die chinesischen Erfahrungen auch in anderen Ländern angewendet werden können und die ganze Welt sich dies zunutze machen kann“, so der Experte.

Andererseits könnte die Corona-Pandemie die Umsetzung der chinesischen “Belt and Road”-Initiative erschweren. Die Wirtschaftskooperation sei äußerst schwer, wenn die Grenzen zwischen den Ländern gesperrt werden und die Bewegungsfreiheit wegen Angst vor der Epidemie eingeschränkt wird. Doch es gebe einen Hoffnungsschimmer: die chinesische Initiative zur Umsetzung der „Seidenstraße der Gesundheit“, die bereits 2017 beim ersten “Road and Belt”-Gipfel vorgelegt wurde, sei nun aktuell wie nie zuvor. Angesichts des globalen Charakters solcher Herausforderungen wie Pandemien sollten internationale Sondereinrichtungen für schnelles Reagieren und gemeinsame Bekämpfung dieser Bedrohungen ihre Arbeit beginnen, so der Experte. Vorhandene Strukturen wie die WHO erfüllen nur eine koordinierende Funktion, hätten aber nicht ausreichend materielle und medizinische Ressourcen, um jene Länder zu unterstützen, die sich in einer schweren Situation befinden. China biete gerade seine Kompetenzen im Bereich Kampf gegen Epidemien, Produktionskapazitäten und trete für die Schaffung real funktionierender internationaler Mechanismen zur materiellen Hilfe an betroffene Länder sowie Hilfe bei der Schaffung eines effektiven Gesundheitssystems in diesen Ländern ein.

„Ich denke, dass China die Entwicklung einer internationalen Kooperation in drei Aspekten beeinflussen kann. Erstens legte China das sogenannte Konzept der Gesellschaft eines einheitlichen Schicksals der Menschheit vor. Und es wird von immer mehr Ländern und ihren politischen Parteien unterstützt. Im Unterschied von den westlichen Konzepten im Sinne ‘ich habe gewonnen – du hast verloren‘ bzw. ‚ich habe viel bekommen, und du – wenig‘, richtet sich das chinesische Konzept nach solchen Kategorien wie allgemeiner Gewinn bzw. allgemeine Verluste“, so der Experte.

Zweitens schlage China vor, ein Gremium zu schaffen, das die Entwicklung der Gesundheitssysteme in anderen Ländern sowie die Schaffung der notwendigen Basis-Infrastruktur fördern würde. Denn vielen Ländern, vor allem in Afrika, mangle es an elementaren Medikamenten, ihre Fähigkeit zur Bekämpfung von Epidemien sei begrenzt. „Wir müssen ihnen gemeinsam helfen“, betont der Experte. Doch internationale Organisationen wie die WHO würden nicht über solche breite Möglichkeiten wie z.B. die Weltbank verfügen. „Ihre Rolle ist ziemlich begrenzt. Es reicht also nicht aus, wenn man sich nur auf die WHO stützt.“ Drittens gehe es um materielle Hilfe und Erfahrungsaustausch. China verfüge über eine starke Produktionsbasis und Lieferungsketten und könne so den globalen Bedarf an medizinischen Erzeugnissen decken.

„Wir leisten bereits viel humanitäre Hilfe für den Iran, Italien, Spanien, Portugal, sogar Deutschland, Frankreich und andere EU-Länder. Als Land, das mit dieser Epidemie früher als andere konfrontiert war, könnte China mit der Welt nun die gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen teilen, bei der Bekämpfung dieser Gefahr helfen. China könnte die Fähigkeiten verschiedener Länder erhöhen, dieser Seuche Widerstand zu leisten, und zugleich die Konkurrenzfähigkeit des chinesischen Systems zur Steuerung des Gesundheitssystems erhöhen“, so Yiwei.

Die Corona-Pandemie zeige, dass das Gesundheitssystem selbst in Industrieländern Notstände solchen Ausmaßes nicht meistern kann, ganz zu schweigen von Entwicklungsländern. Deswegen wäre aus der Sicht Chinas die Ausdehnung der “Belt and Road”-Initiative auf die Gesundheitssysteme logisch, um notleidenden Ländern bei der Einführung effektiver Mechanismen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und zur Eindämmung der Virus-Ausbreitung zu helfen.

Laut dem Experten ist es sehr wichtig, eine koordinierte Produktion von Impfstoffen aufzunehmen. In der vergangenen Woche kündigte China die Aufnahme der klinischen Tests eines Impfstoffs gegen Covid-19 an. Russland verfügte nach Stand Ende Februar über fünf Prototype des Impfstoffs. Wie der russische Präsident Wladimir Putin zuvor sagte, werde daran sehr aktiv gearbeitet.

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