Nordrhein-Westfalen hat den Journalismus als systemrelevant in Zeiten der Corona-Pandemie anerkannt und Journalisten als Personenkreis in einer kritischen Infrastruktur definiert. Damit hat die NRW-Landesregierung auf die Forderung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) an die Innenministerien der Länder und des Bundes reagiert, in Katastrophenplänen die besondere Bedeutung des Journalismus für die Information und Aufklärung der Bevölkerung zu beachten.

„Damit ist für Kolleginnen und Kollegen, die derzeit am Limit arbeiten, um verlässlich und aktuell die Bevölkerung zu informieren, zumindest die Kinderbetreuung gesichert”, so der DJV-Landesvorsitzende Frank Stach. „Das ist ein wichtiger Schritt, es gibt aber noch viel zu tun.”

Zu den Forderungen des DJV gehört darüber hinaus die Gewährleistung der uneingeschränkten Bewegungsfreiheit der Journalisten bei möglichen Ausgangssperren. Journalismus sei nur zum Teil im Homeoffice zu leisten, so der DJV-Vorsitzende Frank Überall.

Weiter fordert der Verband ein Rettungspaket für Selbstständige und nicht ständig Beschäftigte, das etwa Krankengeld und Steuerstundungen beinhalten soll. An die Medienwirtschaft appelliert der DJV, die freien Mitarbeiter nicht allein zu lassen. Erkrankten Freien soll sechs Wochen lang ihr Honorar weitergezahlt werden sowie solchen, die aus präventiven Gründen der Arbeit fernbleiben bzw. sich in Quarantäne befinden. 

Die besondere Bedeutung, die in Zeiten der Corona-Krise dem Lokaljournalismus zukommt, unterstrich in einem Kommentar Mika Beuster vom Bundesvorstand des DJV. Gerade vor Ort, wo die großen medialen Player nicht präsent seien und wo verunsicherte Bürger Fragen bezüglich der Kinderbetreuung oder der Erreichbarkeit kommunaler Stellen hätten, seien die Lokaljournalisten besonders gefragt, die Fragen der Bevölkerung zu beantworten:

„Als Lotsen in der kommunalen Welt, wenn es darum geht, Fragen des Alltags zu sortieren. Als Ansprechpartner für die Nöte der Menschen – die im Zweifel Hilfesuchende mit Hilfsangeboten in Kontakt bringen. Sie haben ein offenes Ohr und sind vor Ort am Puls des Geschehens. Lokaljournalisten transportieren wichtige Botschaften, geben Sicherheit im Informationschaos. Sie liefern ihren LeserInnen und Nutzern gerade jetzt starke, journalistisch exzellente und relevante, unterhaltsame und informative Stücke. Sie sind ein wichtiger sozialer Kitt, der in Krisenzeiten dazu beiträgt, die Gesellschaft zusammenzuhalten.“

In Zeiten des „Social Distancing“ komme den Lokalmedien eine weitere wichtige Funktion zu, nämlich dafür zu sorgen, dass Menschen eben nicht sozial isoliert sind, sondern über lokaljournalistische Angebote am kommunalen Leben teilhaben können, so Beuster.

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