Erste Daten, dass die Sowjetunion eine Art „Super-U-Boot“ baue, hatte die CIA 1969 erhalten. In Berichten, die mit Fotoaufnahmen unterlegt waren, war von „seltsam silberschimmernden Rumpfteilen“ die Rede, aus denen ein U-Boot zusammengesetzt werden sollte. Die Analysten hatten es nicht glauben wollen – dachten, da seien Schrottteile silberfarben gestrichen worden, um den Gegner zu täuschen. Dass die Sowjetunion über die Technologien verfügt und die Kosten nicht scheut, um ein U-Boot aus Titan zu bauen, passte einfach nicht ins amerikanische Weltbild.

Total abwegig war der Gedanke aber auch wieder nicht: Titan ist drei bis fünf Mal teurer als klassischer Stahl und nur schwer in richtige Form zu bringen. Nicht zu reden vom Schweißen der Titanteile – eine Wissenschaft für sich. Denn bei Erhitzung nimmt das Leichtmetall Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff auf, was zu Schäden in der Metallstruktur führt. Um Rumpfsektionen aus Titan zusammenzuschweißen, mussten sowjetische Ingenieure riesige luftdichte und mit Edelgas gefüllte Hangars entwickeln. Darin arbeiteten die Schweißer, bekleidet wie Raumfahrer.

Letztlich mussten die US-Geheimdienstler anerkennen, schreibt „The National Interest“, dass die Sowjets eine neue U-Boot-Klasse gebaut hatten – „die schnellste, die jemals entwickelt worden war“: die Alpha-Klasse (Projekt 705). Unter Wasser erreichten die Boote eine Geschwindigkeit von bis zu 41 Knoten (76 Stundenkilometer). Ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse fährt – zum Vergleich – 30 Knoten schnell (55 Stundenkilometer).

Einen immensen Nachteil hatte die Alpha-Klasse trotzdem: das Boot war genauso laut wie schnell. Dabei überwachte Amerika durch eine Hydrophon-Kette am Meeresboden die Bewegungen der sowjetischen U-Boot-Flotte. Das SOSUS-System beispielsweise meldete Ausfahrten „roter“ Submarinen aus der Barentssee in den Nordatlantik. Aber die Schiffsbauer in der UdSSR fanden auch dafür eine Lösung.

Japan hilft sowjetischen Schiffsbauern

Das lauteste an einem U-Boot ist natürlich die Schubschraube. Der Propeller erzeugt Wirbel, die vom Hydrophon als Geräusch registriert werden können. Es galt also, die perfekten Schraubenblätter zu schneiden und zu schleifen, um dadurch die Intensität der Wirbel zu verringern.

Einer der wichtigsten US-Verbündeten – Japan – half den Sowjets dabei: Anfang der 1980er lieferte der Hightech-Konzern Toshiba hochpräzise Schneideroboter an die UdSSR. Ein Geheimgeschäft, aber die Presse bekam damals Wind von dem Deal. Es war ein Skandal, die USA verhängten Sanktionen gegen den japanischen Konzern. Doch die Maschinen waren da schon in Russland und schnitten hochpräzise Schraubenblätter bei Sewmasch, der U-Boot-Werft in Sewerodwinsk.

Das Ergebnis war die Akula-Klasse (Projekt 971). Bis heute patrouillieren diese U-Boote still und leise irgendwo in den Weltmeeren. 2012 überwachten zwei Akulas über Wochen die Ostküste der Vereinigten Staaten, ohne entdeckt zu werden. Im selben Jahr war eine Akula auf Mission im Golf von Mexiko, in direkter Nähe zur amerikanischen U-Boot-Basis Kingsbay. Wo die Akulas heute unterwegs sind, weiß nur der liebe Gott und das Kommando der russischen Nordmeerflotte.

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