„Was Elektromobilität angeht, muss man sagen, fahren sie fast gar nicht mit“, äußerte der unabhängige deutsche Unternehmensberater Peter Hage am Sonntag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur Auf der internationalen Automesse in Peking. Insgesamt hätten deutsche Hersteller „bisher sehr wenige Modelle wirklich im Vertrieb“.
Dabei genössen deutsche Autobauer in China ein hohes Ansehen: „Sie könnten mit ihrer Marke viel stärker ins Geschäft kommen, haben bisher aber nicht die Produkte“, sagte der Gründer der in Peking ansässigen Beratungsfirma Districom Group, der seit 16 Jahren in der Autoindustrie in China tätig ist.

„Je länger diese Situation vorhält, umso stärker ist es möglich für andere Anbieter, besonders Tesla, dieses Feld zu besetzen“, fügte er  hinzu.

„Man muss sehr aufpassen, da nicht abgehängt zu werden, wenn man da nicht investiert“, sagte auch der Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Der Leitmarkt der Elektromobilität sei China – „und zwar mit deutlichem Abstand“. Chinas Regierung tue viel für die Förderung. Es gebe Subventionen und andere Anreize für Käufer. Metropolen beschränkten die Zulassung von Benzinern. Ladestationen würden ausgebaut. Auch seien Chinesen offen für technische Innovationen, führen meist in der Stadt und weniger weite Strecken über Land.

Bislang fahren schon mehr als vier Millionen elektrisch betriebene Fahrzeuge auf Chinas Straßen. Dieses Jahr sollen allein eine Million E-Autos verkauft werden. Die „Auto China 2020“ in Peking ist die erste große internationale Autoausstellung seit Beginn der Pandemie. Da China das Coronavirus weitgehend unter Kontrolle hat und lange kaum noch lokale Ansteckungen zählt, konnte die im Frühjahr verschobene Messe nachgeholt werden.

Deutsche Exporte von E-Autos sinken

Nach den jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes war die Ausfuhr von deutschen Elektrofahrzeugen im ersten Halbjahr 2020 vor dem  Hintergrund der  Corona-Krise deutlich zurückgegangen.

Die Zahl der exportierten Wagen betrug demnach in den sechs Monaten noch 41.300 Stück, während es im Vorjahreszeitraum 52.200 Fahrzeuge gewesen waren. Ein rundes Viertel ging dabei jeweils in das Hauptabnehmerland Norwegen.
Die Importe seien im Gegenteil auf 45.300 Elektrofahrzeuge nach 30.200 im ersten Halbjahr 2019 gestiegen. Deutschlands Hauptlieferant blieb Frankreich mit einem Anteil von nahezu 25 Prozent.

Käufe von Elektroautos in Deutschland boomen

Auf dem deutschen Markt erleben elektrisch angetriebene Autos grundsätzlich einen auch mit Steuermitteln angetriebenen Boom. Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes waren im August 6,4 Prozent aller neu zugelassenen Autos reine Stromer und weitere 18,4 Prozent verfügten über einen Hybridantrieb, also eine Kombination aus Verbrenner- und Elektromotor. 2019 hatten die entsprechenden Anteile bei 1,8 Prozent beziehungsweise 6,6 Prozent gelegen. In der Zwischenzeit sind weitere Modelle auf den Markt gekommen und die staatliche Förderung wurde erhöht.
asch/dpa/ae

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