Löscharbeiten am 10.04.2020 in der Nähe von Tschernobyl

Seit mehr als einer Woche toben die Waldbrände im Norden der Ukraine. Das Feuer nähere sich dem stillgelegten Kernkraftwerk Tschernobyl und einer Deponie für radioaktive Abfälle, behaupten Aktivisten. Die ukrainische Regierung streitet dies ab.

Jaroslaw Jemeljanenko, Reiseveranstalter und Mitglied des gesellschaftlichen Rates bei der Staatsagentur für die Verwaltung der Sperrzone, warf der Regierung des Landes vor, die Schwere der Brände zu vertuschen. Auf Facebook veröffentlichte er ein Video, das Flammen und eine Rauchwolke über dem Kernkraftwerk zeigt. Jemeljanenko schrieb, dass das Feuer die verlassene Stadt Pripyat erreicht habe und nur zwei Kilometer vom Kernkraftwerk und der Deponie für radioaktive Abfälle entfernt sei:

Die Situation ist kritisch. Die Zone brennt. Lokale Behörden berichten, dass alles unter Kontrolle sei, aber das Feuer breitet sich schnell auf neue Gebiete aus.

Der ukrainische Katastrophenschutzdienst wies am Montagnachmittag Schilderungen aus sozialen Netzwerken zurück, wonach die Brände außer Kontrolle geraten seien und sich dem stillgelegten Kraftwerk und der verlassenen Stadt Prypjat näherten. „Ja, die Lage ist schwierig. Wirklich schwierig. Doch sie ist kontrollierbar. Das Feuer ist nicht einfach“, sagte die Behördensprecherin Olga Kosak der Deutschen Presse-Agentur in Kiew. 

Zehn Tage nach dem Ausbruch des Feuers kämpfen die Behörden immer noch gegen das Feuer. Am Montag setzten sie Flugzeuge und Hubschrauber ein. Vor Ort befänden sich 416 Einsatzkräfte, teilte der Katastrophenschutz mit. In dem radioaktiv belasteten Gebiet stünden Gras und Waldboden in Flammen. Die Grenzwerte für radioaktive Strahlung seien in den besiedelten Gebieten, die an das Sperrgebiet rund um das Atomkraftwerk grenzen, nicht überschritten worden, versicherte die Zonenverwaltung am Wochenende. Die Polizei nahm mittlerweile zwei Verdächtige fest, die den Brand gelegt haben sollen. Es handelt sich um zwei Männer im Alter von 27 und 37 Jahren.

Am Dienstag erzielte die Feuerwehr nach Behördenangaben erste Löscherfolge. Es würden vereinzelte Glutherde beobachtet. In der Nacht zum Dienstag hätten auch Regenfälle die Löscharbeiten begünstigt, hieß es.

Nach der Nuklearkatastrophe im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 wurden radioaktiv belastete Landstriche gesperrt. Zehntausende Menschen wurden umgesiedelt. In den letzten Jahren besuchen vermehrt Touristen das Gebiet rund um das Kraftwerk.

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