Amazon ist nicht nur als weltweit größter Onlinehändler ein Profiteur der Corona-Krise, auch weitere Geschäftsmodelle blühen, während die Arbeiter auch in Zeiten der Pandemie kaum geschützt werden.

Amazon gehört zu den weltweit wertvollsten Unternehmen und gewinnt zudem an der aktuellen Corona-Krise. Den Umgang mit der Gesundheit der Mitarbeiter kritisieren Gewerkschaften seit Langem. Besonders angesichts der Pandemie zeige dies den Zynismus des Konzerns.

Ein Unding sei es, dass es beim US-Konzern Amazon selbst unter den derzeitigen Bedingungen der Corona-Pandemie krankheitsbedingte Kündigungen gebe, kritisierte Orhan Akman von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Dieses Vorgehen zeige den Zynismus des Unternehmens, „bei dem es vornehmlich um Profite, nicht aber um die Gesundheit der Beschäftigten und ihrer Familien geht“.

Die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Sharan Burrow, bezeichnet den größten Onlinehändler der Welt als den schlechtesten Arbeitgeber der Welt. Doch vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie gewinnt dies an neuer Bedeutung.

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Der Konzern nehme die Gesundheit der über 20.000 Beschäftigten in Deutschland nicht ernst, erklärte Akman, der bei Verdi die Bundesfachgruppe für den Einzel- und Versandhandel leitet. „Die in einer PR-Aktion angekündigte Erhöhung der Stundenlöhne um zwei Euro wird nicht überall und nur als Anwesenheitsprämie bezahlt. Das führt dazu, dass sich Beschäftigte in dieser Corona-Krisenzeit krank zur Arbeit schleppen und damit eine Gesundheitsgefährdung für ihre Kolleginnen und Kollegen darstellen.“

Dabei gehört der E-Commerce-Riese, Cloud-Anbieter und Streaming-Riese Amazon zu jenen wenigen Unternehmen, die in der derzeitigen Krise profitieren. Zum einen erhöht sich die Anzahl von Cloud-Nutzern durch den verstärkten Trend zur Heimarbeit. Außerdem stehen durch Panikkäufe und verzögerte Warenanlieferungen aufgrund vermehrter Grenzkontrollen Konsumenten in einigen Ländern vor teils leeren Supermarktregalen, insbesondere Desinfektionsmittel, Mundschutzmasken und Toilettenpapier sowie Konserven und Nudeln werden gehamstert. Der weltweit größte Onlinehändler positioniert sich entsprechend und plant, in seinen Logistikzentren die Bestände von besonders gefragten medizinischen Artikeln und unerlässlichen Haushaltsgütern aufzustocken.

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Amazon hatte vor wenigen Tagen angekündigt, angesichts des erhöhten Bestellaufkommens 100.000 Mitarbeiter in den USA einzustellen. Im Firmenblog stellt der Konzern die Stellenausschreibungen wie eine Art humanitäre Aktion in der Corona-Krise dar. Während die Pandemie anhalte, helfe Amazon mit seinem Partnernetzwerk Gemeinden weltweit, „wie wenige andere es können“ – durch die Lieferung notwendiger Güter bis an die Haustür bedürftiger Menschen. Gleichzeitig wehrt sich das Unternehmen weiter vehement gegen eine Besteuerung der enormen Profite in Europa.

Durch die Ausgangssperren sowie freiwillige Selbstisolation in Zeiten der Corona-Virus-Krise dürften Streamingdienste zusätzliche Nutzer anlocken. Auf dem deutschen Markt für kostenpflichtiges Video-on-Demand war 2019 Amazon neben Netflix Spitzenreiter. Laut der Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia wird der Umsatz der Anbieter von kostenpflichtigen und werbefinanzierten Streamingdiensten von 3,6 Milliarden Euro Ende 2019 voraussichtlich bis 2024 auf 6,5 Milliarden Euro steigen, hieß es am Freitag im Branchenreport „Streaming Market Germany 2020“. Für 2020 rechnet Goldmedia mit einem Wachstum von mehr als 20 Prozent. Die Amazon-Aktie wird daher auch als „Bleib-zu-Hause-Aktie“ bezeichnet. Am Freitag gehörte das Wertpapier mit einer positiven Entwicklung von 0,6 Prozent zu den besten Performern des Tages.

Außerdem hat Amazon eine eigene Gesichtserkennungs-Software namens „Rekognition“. Sie erkennt das Alter der Person und vermag sogar zu verraten, ob eine abgebildete Person glücklich oder vielleicht ängstlich ist.

Im Rahmen der verschärften, teils drastischen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie werden auch Datenschutz und Privatsphäre der Bürger geopfert. Und zwar auch hierzulande. So forscht das Robert Koch-Institut (RKI) bereits mit Bewegungsdaten, die es von der Telekom erhalten hat. Diese seien anonymisiert, hieß es zwar, Datenschützer sind dennoch alarmiert. Zudem hat das RKI vorgeschlagen, Corona-Infizierten mit einer App zur Aufzeichnung der Standorte auszustatten, mit der gar die Kontaktnachverfolgung ermöglicht würde. Dies wäre nicht das erste Mal, dass der Datenschutz „im Namen der Sicherheit“ gelockert wird. Immer zur Freude der weltweit wertvollsten Unternehmen (Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet, Facebook), deren Geschäftsmodelle zum Teil oder auch fast vollständig auf der Sammlung und Auswertung von Daten beruhen.

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