Bis zu 650 Kilometer weit sieht die Radarantenne auf dem Rücken der A-100 – deutlich weiter als das Gegenstück der NATO: das Radar der Boeing E-3A. Die eingehenden Signale verarbeitet die Bordelektronik der russischen Frühwarnmaschine automatisch: der Computer erstellt die Zielkoordinaten und alle weiteren Missionsdaten für den Einsatz der Abfangjäger.

„Die A-100 ist eine Weiterentwicklung der A-50 und A-50U, die gegenwärtig im Dienst der russischen Luftwaffe stehen“, erklärt Militärexperte Wiktor Murachowski. „Das Flugzeug ist mit einem 360-Grad-Radar ausgerüstet, zur Ortung von Luft- und einigen See- und Bodenzielen. Außerdem führt es luft-, see- und bodengestützte Kampfsysteme ins Ziel. Im Grunde ist die A-100 ein multispektralfähiges Aufklärungssystem zur Luftraumüberwachung im Umkreis mehrerer hundert Kilometer.“

Als Plattform für die A-100 dient das modernisierte Transportflugzeug Il-76MD-90A. Der Frachtraum ist zu einer durchdigitalisierten Führungszentrale umgebaut worden. Rund 20 Tonnen wiegt die ganze elektronische Ausrüstung. Bis zu sechs Stunden kann die A-100 ohne Nachbetankung in der Luft patrouillieren.

Die A-100 ist nicht nur eine fliegende Radarstation: Als Leitzentrale stellt die Maschine auch störfeste Kommunikationsverbindungen zu und zwischen den Teilstreitkräften her. Elektronische Störmanöver zählen ebenfalls zu ihrem Auftragsprofil.

„Das Flugzeug ist Teil des integrierten Führungssystems der russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte“, erklärt Experte Murachowski weiter. „Es wird dringend benötigt: Die A-50 wird den Aufgaben bei den russischen und anderen Streitkräften nicht mehr in vollem Umfang gerecht. Indien zum Beispiel rüstet seine A-50 auf israelische Ortungstechnik um. Aber deshalb bin ich überzeugt, dass die A-100 auch im Ausland Abnehmer findet, sobald sie in Serie geht.“

Die russische Luftwaffe braucht laut dem Experten Dutzende dieser Maschinen. Die Rüstungsindustrie muss sich also beeilen mit der Serienfertigung. „Anderenfalls drohen Russlands Luft- und Weltraumstreitkräfte bald zu erblinden“, so Murachowski.

Das alternde Vorgängerflugzeug – die A-50 – steht seit 1985 im Dienst der russischen Armee. Die verbesserte Version A-50U war 2009 fertig. Die Elektronik wurde modernisiert, die Arbeitsplätze der Crew mit Informationsdisplays ausgerüstet. Nicht unwichtig war auch der Einbau einer Bordküche zur Einsatzverpflegung der Mannschaft.

Vom Beginn ihrer Dienstzeit an wurde die A-50 auch in bewaffneten Konflikten eingesetzt. Im Zuge des amerikanischen „Desert Storm“ in Irak patrouillierte die AWACS-Maschine über dem Schwarzen Meer und überwachte das Geschehen, auch die Lage im türkischen Luftraum. Heute fliegt die A-50 und die neuere A-50U Frühwarn- und Überwachungseinsätze über Syrien.

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