Der französische Minister für Bildung, Jugend und Sport Jean-Michel Blanquer spricht am 17. Oktober 2020 vor den Medien in Paris. Am Vortag war ein Lehrer von einem Angreifer enthauptet worden, der in Conflans-Sainte-Honorine, 30 km nordwestlich von Paris, von Polizisten erschossen wurde.

Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hat auf einer Pressekonferenz zum brutalen Mord an einem Lehrer die Werte der Französischen Republik im Kampf gegen den Islamismus beschworen. Den Lehrern komme dabei zentrale Bedeutung bei der Vermittlung der Werte zu.

Der französische Minister für Bildung, Jugend und Sport Jean-Michel Blanquer hat heute in einer Pressekonferenz in Paris einen Tag nach dem brutalen Mord an einem Lehrer die Werte der Republik im Kampf gegen den Islamismus beschworen.

Laizität ist ein Synonym für Freiheit, sie ist die Grundlage unserer Werte“, sagte Blanquer.

Dazu gehöre grundlegend die Freiheit, seine Meinung zu äußern, auch in Form von Karikaturen. Lehrer hätten das Recht, solche Karikaturen zu zeigen. Die Gesellschaft und die Eltern müssten die Lehrer mehr respektieren. Das Bildungswesen und die Lehrer seien zentral für die Vermittlung der Werte der französischen Republik. Diese und deren Bedeutung müssten von den Lehrern klarer und verstärkt unterrichtet werden. Die pädagogischen Ressourcen für die Lehrer würden erhöht. Die derzeitigen Schulferien in Frankreich bis zum 1. November würden dafür genutzt, um ein besseres Konzept für die Ausbildung zu entwickeln.

Familien erweisen dem ermordeten Lehrer am 17. Oktober 2020 am Tatort ihren Respekt.

Staatspräsident Emmanuel Macron hatte am 2. Oktober ein Gesetz gegen „Separatismen“ vorgestellt und sich damit vor allem auf den islamischen Separatismus bezogen.

Der radikale Islamismus liegt im Herzen des Problems“, sagte das Staatsoberhaupt.

Das Gesetz solle den Laizismus, also die Trennung zwischen Religion und Staat, stärken. Der Laizismuspflicht müssten demzufolge zukünftig auch Angestellte von Firmen, die für den Staat arbeiteten, folgen. Dies galt bisher nur für Personen, die direkt vom Staat angestellt sind. Darüber hinaus solle eine Schulpflicht ab drei Jahren gelten und sogenanntes „Homeschooling“ nur aus gesundheitlichen Gründen erlaubt sein.

Auch Samia Maktouf, Anwältin der Angehörigen von Opfern des Terrors, verurteilte die erneute Bluttat und forderte einen dringenden Bewusstseinswandel:

Das ist ein erneuter Terrorakt, der sich gegen unsere Institute richtet, während gerade ein Prozess wegen des Angriffs auf Charlie Hebdo läuft, als man versucht hat, unsere Journalisten mundtot zu machen. Es wurden Journalisten, Polizisten und Mitbürger jüdischen Glaubens getötet. Heute ist es eine staatliche Schule. Meiner Meinung nach ist die notwendigste und dringlichste Maßnahme heute, diese Barbarei, die in unseren Instituten an den Tag kommt, noch stärker als früher ins Bewusstsein zu bringen.

Nordwestlich von Paris in Conflans-Sainte-Honorine (Yvelines) wurde am Freitag ein Lehrer vor seiner Schule fast enthauptet. Die Tat ereignete sich gegen 17 Uhr am Ausgang des Kollegiums, an dem der Lehrer tätig war. Kurz danach wurde eine Untersuchung wegen „Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Verbrechen“ eingeleitet.

Der Geschichtslehrer soll muslimischen Schülern Karikaturen gezeigt haben, die den Propheten Mohammed hockend mit einem Stern auf dem Gesäß darstellen sollten. Die Karikaturen waren mit der Aufschrift versehen: „Ein Stern ist geboren.“

Neun Personen wurden im Zusammenhang mit den Terrorermittlungen festgenommen, der 18 Jahre alte Tatverdächtige von der Polizei getötet. Er soll in Moskau geboren worden sein und in Frankreich eine Aufenthaltserlaubnis sowie Flüchtlingsstatus besessen haben. Russische Medien berichten unter Berufung auf die russische Botschaft, dass der mutmaßliche Täter mit seiner Familie bereits im Jahr 2008 in Frankreich aufgenommen worden war und seitdem dort lebte.

Das Opfer wurde als der 47-jährige Samuel Paty identifiziert. Er unterrichtete Geschichte und Erdkunde in Conflans Sainte-Honorine. Die Mohammed-Karikaturen, die Paty seinen Schülern nach Berichten im Zusammenhang mit dem Thema Meinungsfreiheit gezeigt hatte, stammten aus der Feder des Satiremagazins Charlie Hebdo.

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