Nach Vorstellung der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban sollen 36.000 Betten Menschen zugutekommen, die am Coronavirus erkrankt und auf eine stationäre Behandlung angewiesen sind. Chronisch Kranke und Pflegefälle, die nun aus den Krankenhäusern entlassen werden, sollen zu Hause von ihren Familien betreut werden, erklärte die oberste Amtsärztin Cecilia Müller am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Budapest. „Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass jeder eine Versorgung bekommt, der eine solche benötigt.“

Aufgrund der Regierungsanordnung sahen sich Chefärzte gezwungen, Kranke vorzeitig zu entlassen, mit deren Pflege die Angehörigen überfordert sind oder die von diesen gar nicht gewährleistet werden kann. Das Internet-Portal index.hu zitierte einen Betroffenen:

„Meinen Vater hat man nach einer Fußamputation mit kaum verheilter, eiternder, noch vernähter Wunde nach Hause geschickt.“ Die Schwiegertochter verbinde nun die Wunde, die Familie suche noch nach einer Fachkraft, welche die Nähte ziehe.

Experten und Ärzte zweifeln außerdem daran, dass eine derartige Bettenkapazität für Corona-Fälle in näherer Zukunft nötig sein wird.

„Unmenschlichste Verantwortungslosigkeit“

Der sozialdemokratische Oppositionspolitiker Ferenc Gyurcsany schrieb am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite: „Das ist die denkbar unmenschlichste Verantwortungslosigkeit, die eine Regierung in dieser Lage begehen kann.“ Orbans Kabinett verschulde den Tod von Tausenden Menschen. „Das wird man euch nicht verzeihen“, fügte er hinzu.

Bis zum Mittwoch waren in Ungarn 1579 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. 134 starben bislang.

mka/gs/dpa

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.