Wie diese Woche bekannt wurde, hat sich Friede Springer für einen Nachfolger entschieden. Die 78-Jährige überlässt dem Vorstandschef Mathias Döpfner 19 Prozent des Grundkapitals der Axel Springer AG und damit einen Großteil ihrer Macht. Zurückziehen wolle sie sich deswegen noch lange nicht, so die immer noch milliardenschwere Verlegerin im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Sie bleibe im Aufsichtsrat und im Aktionärsausschuss. „Ich möchte nur sicher sein, dass, wenn mir etwas passiert, ich bei Mathias unser Verlagshaus in den richtigen Händen weiß.“ Sie und Döpfner würden sich seit 20 Jahren kennen und schätzen und seien ein bewährtes Team. „Entscheidend für den Verlag sind die Stimmrechte, und die werden zukünftig von Mathias ausgeübt werden. Im Übrigen möchte ich meine verbleibenden Anteile später in eine gemeinnützige Gesellschaft überführen.“

„Enkeltrick“, witzelt Linken-Abgeordneter Fabio De Masi:

​Passt wie „Arsch auf Eimer“

Wenn man sich einmal genauer ansieht, wer Friede Springer und Mathias Döpfner sind und in welchen Kreisen sie verkehren, dann erkennt man schnell: Da kommt zusammen, was zusammengehört. Auf der einen Seite ist da die schwerreiche Verlegerin mit Beziehungen bis in die höchsten Etagen der Macht. 2010 wurde das Privatvermögen von Friede Springer auf umgerechnet 2,5 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle: Forbes Magazine). Nach dem Tod des Verlegers Axel Springer, für den Friede erst Kindermädchen und dann Ehefrau Nummer 5 war, erbte die damals 43-Jährige zusammen mit dessen Kindern und Enkeln aus früheren Ehen seine Anteile an dem Verlagshaus.

Indem Friede Springer zunächst zusammen mit den Springer-Erben die Anteile der Burda-Brüder kaufte und später die Familienmitglieder auszahlte und auch deren Anteile übernahm, baute sie ihren Einfluss im Unternehmen Schritt für Schritt aus. Und der Einfluss der inzwischen 78-Jährigen reicht heute weit über den Verlag hinaus. So unterhält sie beste Beziehungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und hat für die CDU als Mitglied der Bundesversammlung bereits fünfmal an der Wahl des Bundespräsidenten teilgenommen. Sie kann auch zahlreiche Auszeichnungen ihr eigen nennen, darunter das Große Verdienstkreuz und das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Mehrere Ehrendoktorwürden wurden Springer für ihr Engagement für Israel verliehen.

Dieses Engagement ist eine der vielen Gemeinsamkeiten mit Mathias Döpfner – dieser bezeichnet sich selbst als „nicht-jüdischer Zionist“. Studiert hatte der aus Offenbach stammende Unternehmenschef eigentlich Musikwissenschaft, Germanistik und Theaterwissenschaften. Nicht unbedingt Fachrichtungen, die Einfluss und Reichtum versprechen. Doch der als Musikkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestartete promovierte Musikwissenschaftler machte schnell Karriere in den Chefetagen großer Verlage und Zeitungen wie Gruner + Jahr, der Wochenpost oder der Hamburger Morgenpost, bis er 1998 Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt wurde und somit im Hause Axel Springer ankam. 

Vier Jahre später wurde Döpfner Vorstandsvorsitzender und sanierte das Unternehmen durch Entlassungen, Abstoßen von aus seiner Sicht unrentablen Tochterunternehmen und Neuausrichtung. Das Verlagshaus prosperierte und mit ihm Mathias Döpfner. Im August 2012 schenkte ihm Friede Springer einen Aktienanteil von zwei Prozent im Wert von rund 73 Millionen Euro, durch weitere Aktienkäufe steigerte er seine Beteiligung auf 3,2 Prozent. Döpfners Jahresgehalt lag 2009 bei 11 Millionen Euro, womit er nach Schätzungen des Manager Magazins der bestbezahlte Manager Deutschlands war. Reichtum und Einfluss dürften Döpfner auch so manche andere Tür geöffnet haben. So ist er nicht nur Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und Mitglied des Board of Directors bei Netflix, sondern unter anderem auch regelmäßiger Gast des Weltwirtschaftsforums in Davos und seit 2018 im sogenannten Steering Committee der umstrittenen Bilderberg-Konferenz. 

Zukunftsaussichten

Gegenüber der DPA beteuerte Döpfner in dem gemeinsamen Interview mit Friede Springer, der Verlag wolle seinen Kurs beibehalten.

„Wir bleiben bei unserem Kurs. Denn wir glauben fest an die Zukunft von digitalen journalistischen Angeboten und Rubriken. Dabei liegt der Fokus in den nächsten Jahren nicht auf kurzfristiger Gewinnoptimierung, sondern auf längerfristiger Wachstumsbeschleunigung. Ich glaube, die neue Regelung ist eine gute Nachricht, nicht nur für Friede Springer und mich, sondern für das Unternehmen und seine Mitarbeiter, denn Axel Springer hat jetzt langfristig Klarheit und Verlässlichkeit hinsichtlich der Unternehmensführung.“

Während der Corona-Krise hatte Döpfner dem Konzern einen harten Sparkurs verordnet und viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel hatte er zudem gesagt, dieses Jahr würden auch die Vorstandsboni deutlich gekürzt werden oder könnten sogar gänzlich entfallen. Vor diesem Hintergrund ist die erneute Schenkung von Friede Springer an ihren Vertrauten und Verbündeten bemerkenswert. Denn den Wert des nunmehrigen Aktienpaketes beziffern verschiedene Beobachter auf mindestens eine Milliarde Euro.

Es darf deshalb als sicher gelten, dass eine Schenkung in dieser Größenordnung nicht nur wegen des Sparkurses für Gesprächsstoff innerhalb des Springer-Konzerns sorgen wird und sicherlich auch außerhalb. Denn ob es Friede Springer und Mathias Döpfner gefällt oder nicht, einen bestimmten Bereich der Medienlandschaft wird die Tatsache aufhorchen lassen, dass eine solche, nicht nur rein materiell extrem wertvolle Schenkung zwischen zwei nicht mit einander verwandten Personen stattfindet.

Davon gewohnt unbeeindruckt beschrieb Mathias Döpfner sich und seine Karriere bei Axel Springer im betont nüchternen Schlagzeilenstil wie folgt: „Er kam, um zu bleiben.“

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