„Zentral ist auch, welchen Zeitpunkt die Munizipalbehörden für die Demontage des Denkmals gewählt haben: Während der Quarantäne, wo in Prag keiner das Recht hat, sich in Gruppen, die aus mehr als zwei Menschen bestehen, zu versammeln. Meiner Meinung nach ist das eine Gemeinheit“, so Konewa.

Ihren Worten zufolge haben die Behörden den Denkmal-Abriss damit begründet, dass es „oft zu Vandalismusakten kommt“. 

Das Denkmal sei mehrmals mit Farbe beschmiert worden. Dennoch habe niemand nach Tätern gesucht, so Konewa.   

„Ich erhalte jetzt viele Mitteilungen von Bewohnern Prags. Die Leute regen sich auf und entschuldigen sich für das Vorgehen der Behörden. Es gibt mehrere Gegner des Denkmal-Abrisses. Von tschechischer Seite gibt es eine Petition mit der Forderung der Bewohner, das Denkmal an seinen früheren Platz zurückzubringen“, betonte sie.        

Dabei sprach sich Konewa dagegen aus, das Denkmal ihres Großvaters im Museum des 20. Jahrhunderts (in Prag – Anm. d. Red.) aufzustellen. 

„Iwan Konew war der Befreier von Prag. Ich bin, wie auch jene, die sich zumindest ein wenig mit Geschichte auskennen, grundsätzlich nicht damit einverstanden, dass das Denkmal mit dem Schild ‚Eroberer‘ aufgestellt wird. Das Denkmal muss nach Hause gebracht werden. Dieses ‚Museum‘ ist nicht der Platz, wo der Marschall unseres Sieges stehen muss“, meint Konewa.

Der tschechischen Gesetzgebung nach gehörte das Konew-Denkmal dem Bezirk Prag-6. Daher könnten weder das Verteidigungsministerium Tschechiens noch das Außenministerium, noch der Präsident selbst eine Willensentscheidung treffen und das Denkmal an Russland übergeben.      

Am Freitag leitete das russische Ermittlungskomitee ein Strafverfahren nach dem Paragraphen 354.1 Teil 3 des Strafgesetzbuches „Schändung von Symbolen des russischen Militärruhms, die öffentlich begangen wurde“ ein.  Wie die Sprecherin des Ermittlungskomitees, Swetlana Petrenko, mitteilte, wolle die Behörde  jene ausländische Beamten, die den Abriss der Denkmäler für sowjetische Soldaten zugelassen haben, zur strafrechtlichen Verantwortung ziehen. 

Reaktion des russischen Außenministeriums

Zuvor hatte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärt, dass der Abriss des Denkmals für Marschall Iwan Konew in Prag zu einem langfristigen Reizfaktor in den Beziehungen zwischen Russland und Tschechien werden könne. Dieses Vorgehen wird ihr zufolge nicht unbeantwortet bleiben.

Konew-Denkmal

Das Konew-Denkmal wurde Ende der 1970er – Anfang der 1980er Jahre auf Initiative der Stadtverwaltung in Prag errichtet. Es wurde auf Kosten der Einwohner aus Dankbarkeit dafür gebaut, dass der Heerführer befohlen hatte, während der Befreiung der Stadt von den Nazis im Mai 1945 keine schwere Artillerie einzusetzen, um die Gebäude zu erhalten.

Im September 2019 beschlossen die Behörden des Bezirks Prag-6, in dem sich das Denkmal befand, es zu verlegen oder an private Eigentümer zu übergeben. Am 3. April wurde das Konew-Denkmal vom Sockel entfernt.

Der Sprecher des tschechischen Präsidenten Milos Zeman, Jiří Ovčáček, bezeichnete den Abriss des Denkmals als eine Schande für das Land. Ovčáček wies darauf hin, dass der Marschall das Vernichtungslager Auschwitz und die Tschechoslowakei von den deutschen Nazis befreit habe.

Die russische Botschaft drückte wiederum dem tschechischen Außenministerium entschiedenen Protest aus.

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