Vom 28. Juli bis zum 2. August soll die diesjährige Hadsch stattfinden. Die große Pilgerfahrt nach Mekka gehört zu den fünf Säulen des Islam. Jeder freie, volljährige und gesunde Muslim, der es sich leisten kann, ist verpflichtet, einmal im Leben nach Mekka zu reisen. In den Tagen der Hadsch finden sich Millionen von Gläubigen aus aller Welt in Mekka ein. Dicht gedrängt umlaufen die Pilger die Kaaba und besuchen andere heilige Stätten.

Bei der Hadsch ist es in der Vergangenheit aufgrund der großen Menschenansammlungen schon zu zahlreichen Todesopfern gekommen – durch Massenpanik (zuletzt 2015), Feuer (zuletzt 1997) oder Proteste (zuletzt 1989). Angesichts der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus fragen sich gläubige Muslime in diesem Jahr jedoch, ob die Pilgerreise nach Mekka überhaupt stattfinden kann.

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt: Das Thema ist keinesfalls neu. Bereits am 27. Juni 2013 titelte die „Zeit“: „Coronaviren: Neues Virus gefährdet Mekka-Pilger“. Damals war das Coronavirus „Mers“ im Nahen Osten ausgebrochen. Symptome: Lungenentzündung, Atemnot, Organversagen. „70 Menschen hat das Virus bisher erwischt, 63 davon in Saudi-Arabien. Einige der Erkrankten kamen aus dem Westen des Landes, unweit von Mekka. 39 Menschen sind gestorben“, schrieb die Zeit damals.

Und noch ein bekannter Name spielte schon damals eine Rolle: Christian Drosten. Der deutsche Virologe wurde mit den Worten zitiert, der Ausbruch des neuartigen Virus erinnere ihn an die Anfangszeit von „Sars“.

„Doch ohne gesicherte Erkenntnisse kann auch die WHO keine Kette an Notfallmaßnahmen einleiten. Auf dem Krisentreffen in Kairo wurden die teilnehmenden Staaten nun an ihre Verpflichtung erinnert, Fälle innerhalb von 24 Stunden so genau wie möglich der WHO zu melden und bei verdächtigen Atemwegserkrankungen gezielt auf Mers zu testen“, hieß es in dem Artikel vor sieben Jahren. 

Damals hatte Saudi-Arabien seine Quoten für ausländische Pilger um 20 Prozent gesenkt, auch wenn die offizielle Begründung nicht Coronavirus, sondern Bauarbeiten hieß. Die Hadsch fand 2013 trotzdem statt, bis zum Ende der Pilgerreise waren 51 Menschen am Virus verstorben. Angesichts des ungleich größeren Ausmaßes der Covid19-Pandemie hieß es am Mittwoch aus Saudi-Arabien, Muslime aus aller Welt sollten vorerst keine Vorbereitungen für die diesjährige Pilgerfahrt treffen. Über eine mögliche Absage der Hadsch äußerte sich der zuständige Minister Muhammed Saleh bin Taher Banten jedoch nicht.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es in dem islamisch-konservativen Königreich 1563 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus, schreibt die DPA am Mittwoch. Außerdem meldete die WHO bisher zehn Tote in Saudi-Arabien. Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, hat die Regierung in Riad bereits eine Ausgangssperre angeordnet, die große Teile des Tages abdeckt. Bereits zuvor waren alle internationalen und inländischen Flüge für zwei Wochen ausgesetzt worden. Auch der Zugang für Pilger zu den für Muslime heiligen Stätten Mekka und Medina ist beschränkt.

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