Im Sputnik-Interview hebt Hofbauer hervor: „Da ist einmal, und das hört man in Paris nicht gerne, der französische Kolonialismus, der im blutigen Algerienkrieg der 1950er- und 1960er-Jahre gipfelte. Damals kämpfte die ‚Grande Nation‘ gegen eine linke Befreiungsbewegung in einem muslimischen Land und hinterließ ein zerstörtes Land. Diese Vergangenheit ist noch lange nicht aufgearbeitet. Erst im Februar 2005 beschloss das Assemblé nationale das Gesetz Mékachéra, ein Gesinnungsgesetz, nach dem es verboten ist, die sogenannten „Harkis“, die Hilfskräfte der französischen Kolonialisten, zu beleidigen oder diffamieren. Die Kolonialgeschichte wird also von einem großen Teil der Elite hochgehalten.“

„Als sich dann der kulturelle Wind in Algerien drehte und Islamisten anstelle von Linken mehrheitsfähig wurden“, so Hofbauer weiter, „stoppten die Militärs im Jahr 1991 – mit Hilfe Frankreichs – die ersten freien Wahlen, um einen Sieg der ‚Islamischen Heilsfront‘ zu verhindern. Ein jahrelanger Bürgerkrieg war die Folge, der auch in den französischen Banlieus stattfand.“

Apropos Banlieus, merkt der Experte an: „Wer das soziale Elend der Großteils afrikanisch-stämmigen Bevölkerung an den Rändern der großen Städte gesehen hat, weiß um die Ausgrenzung von Millionen Migranten und deren schiere Existenznöte. Viele von ihnen suchen im Islam, auch im sogenannten politischen Islam, Zuflucht. Wenn dann noch der Staatspräsident im Namen der Meinungsfreiheit Mohammed verhöhnende Karikaturen geradezu als Ausdruck eines laizistischen Staates preist, dann findet sich leicht ein Wahnsinniger, der den sozialen Funken zur realen Bombe zündet. Statt in einem laizistischen Staat leben nämlich die meisten Muslime in Frankreich in einer islamischen Parallelgesellschaft“, schließt Hofbauer.

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