Angela Merkel als Mutter Teresa? So jedenfalls sieht es ein Maler aus Eritrea, der 2015 nach Deutschland gekommen war und nun die Kanzlerin als übermenschliche Helferin malte. Er wolle mit dem Bild einfach Danke sagen, erklärte der Künstler bei der Übergabe des Bildes.

Der eritreische Maler Mulugeta Tekle hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem Bild als Mutter Teresa dargestellt. Der Künstler, der 2015 über den Sudan, Libyen und das Mittelmeer nach Deutschland kam, übergab das Bild am Freitag der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt, Annette Widmann-Mauz.

Claas Relotius bei der Verleihung des Reemtsma Liberty Award, März 2017

Tekle versteht seine eigenwillige künstlerische Darstellung der Kanzlerin als Dank für deren Flüchtlingspolitik. Dem Schwarzwälder Boten sagte der 33-Jährige, er sei „unheimlich dankbar“, in Deutschland leben zu können:

Ich möchte mit diesem Bild einfach Danke sagen, dass ich hier gut leben kann.

Nach Darstellung der Zeitung drohte dem Maler in Eritrea Verfolgung, weil die dortige repressive Regierung seine Kunst als Kritik auffasste.

Der Eritreer berichtete von einer persönlichen Begegnung mit der Kanzlerin, die ihn stark beeindruckt habe:

Sie hatte eine sehr positive Ausstrahlung und war sehr freundlich.

Anlässlich des fünften Jahrestags von Merkels umstrittener Äußerung „Wir schaffen das“ habe er sich entschlossen, ein Gemälde von ihr zu schaffen. Zu sehen ist die protestantische Pfarrerstochter Merkel in der Tracht der katholischen Heiligen, wie sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht ein schlafendes schwarzes Kind hält.

Der Hintergrund zeigt zwei voll besetzte Flüchtlingsboote und eine weinende Sonne. Zum Motiv der weinenden Sonne sagte der Künstler:

Das sind die Freudentränen, die ich und viele andere vergossen haben, als wir endlich in Deutschland angekommen waren.

Widmann-Mauz bedankte sich in freundlichen Worten bei dem Künstler. Die Kanzlerin sei „sehr gut getroffen“, „ihre freundliche Art“ komme in dem Bild „auch sehr gut zum Tragen“.

Noch am Wochenende postete Widmann-Mauz ein Bild von der Übergabe des Bildes mit dem Künstler auf Twitter. Ein ähnliches Bild erschien in dem genannten Artikel des Schwarzwälder Boten. Auf diesem Foto sind Politiker und Maler ohne Maske zu sehen, während sie auf dem Bild bei Twitter mit Mund- und Nasenbedeckung erscheinen.

Ein kritischer Twitter-Nutzer vermutete, dass der „Maskenzinnober“ in der schwäbischen Heimat der CDU-Politikerin unpopulär sei, weswegen sie in ihrer Heimatzeitung das Gesicht zeige, während sie es für „Bundespolitik, Berliner Medien und Filterblase“ lieber bedecke.

Die 1997 verstorbene Mutter Theresa wird von der Katholischen Kirche seit 2016 als Heilige verehrt. Allerdings gilt die Ordensschwester heute als umstritten. Kritikpunkte an der angeblichen „Retterin der Armen“ sind die schwierigen sozialen und hygienischen Zustände in ihren Sterbehäusern und ihr zweifelhafter Umgang mit Spendengeldern.

In Wissenschafts-Artikeln zu Mutter Teresa wird auch über Kritik an ihrer Motivation berichtet, und in diesem Punkt lassen sich tatsächlich Parallelen zur deutschen Kanzlerin entdecken. Der Geistlichen sei es bei ihrem Handeln nach eigenen Angaben vorrangig um die Verbreitung ihres Glaubens und weniger um humanitäre Hilfe gegangen.

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