Bis auf den einen Testflug im Autopilotmodus hob die russische Raumfähre „Buran“ nie mehr ab. Für die An-225 war das entscheidend: Statt der geplanten zwei, ist nur ein einziges Exemplar dieses Großfrachters gebaut worden, und statt die „Buran“ huckepack in die Stratosphäre zu hieven, hat der Cargo-Riese sich andere Aufgaben angeeignet, schreibt „PM“. Das sowjetische Raumfährenprogramm wurde eingestellt, die Sowjetunion verschwand – und die An-225 schuftet heute noch als beflügelter Schwerlasttransporter. Aber: Warum nicht als Passagierflugzeug? Als eine andere A380 zum Beispiel?

Der Großraumjet von Airbus fasst 331 bzw. 188 Fluggäste auf dem Unter- respektive Oberdeck, insgesamt also 519 Passagiere in einem 50 Meter langen und 6,5 Meter breiten Rumpf. Die An-225 hat einen Frachtraum von 43 Metern Länge und 6,4 Metern Breite. Da der Laderaum 4,4 Meter hoch ist, ließe er sich in ein Unter- und Oberdeck zweiteilen (dies zum Vergleich: die Passagierkabine der A380 ist unten und oben jeweils 2,4 Meter hoch).

Die A380 nimmt auf einem Unterdeckmeter 6,62 Passagiere auf. Diesen Wert mit den 43 Längenmetern der An-225 multipliziert ergibt 287 Fluggäste unten. Nur: Die Antonow ist etwas schmaler als der Airbus, weshalb ihre hypothetischen drei Sitzreihen in der Economy-Class um jeweils einen Sitz gekürzt werden müssten – macht: 254 Passagiere.

Nach dem gleichen Schema errechnet „PM“ den Mensch-pro-Rumpfmeter-Wert auf dem Oberdeck der A380 – ergibt einen Koeffizienten von 3,76. Auf die Abmessungen der An-225 übertragen, macht das: 163 Passagiere auf dem Oberdeck. Weil die A380 oben etwas schmaler ist als die sowjetische Maschine, könnte die An-225 in der oberen Economy-Class locker zwei Sitze je Sitzreihe mehr aufnehmen – also: 188 Fluggäste. Summa summarum könnte eine fluglinientaugliche An-225 exakt 442 Fluggäste transportieren – 77 zahlende Kunden weniger als in der A380.

© Sputnik / Alexey Kudenko
Airbus A380 bei der Farnborough International Airshow (Archivbild)

Aber dafür könnte die An-225 ihre Fluggäste nonstop an jeden beliebigen Ort des Planeten fliegen: Bei 200 Tonnen Last beträgt die Reichweite der Antonow 4.500 Kilometer. Leer fliegt die sowjetische Maschine 15.400 Kilometer weit. Bei einem Durchschnittsgewicht eines Fluggastes von 62 Kilogramm würde die An-225 im Linienbetrieb mit circa 27.500 Kilogramm beladen. Rechnet man noch das hypothetische Gepäck, das Trinkwasser und die Bordverpflegung samt dem Tomatensaft hinzu, kommt die Antonow auf maximal 1/5 ihrer Frachtkapazität, schreibt „PM“: Bei der Reichweite zieht die An-225 mit der A380 also in etwa gleich.

Schön, doch die wichtigste Frage ist immer noch: Könnten Fluggesellschaften eine An-225 für den Passagierbetrieb gebrauchen? Und da kommt ein Aspekt zum Tragen, der einen fetten roten Strich durch die obige Rechnung zieht. Genau genommen sind es sechs Aspekte, schreibt „PM“: Die sechs gefräßigen Triebwerke der An-225, die beim Start eine Kerosinladung verbrennen, die so viel Wert ist wie das Budget eines afrikanischen Kleinstaates. Die An-225 werden wir im Liniendienst also 100-prozentig nicht erleben. Diese riesige Antonow bleibt das, was sie von Anfang an war: eine Exotin.

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