Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden vor kurzem in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

In den Nekropolen des Niltals hatten die Archäologen Millionen von Vogelmumien, vor allem Ibisse, entdeckt. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass diese Vögel den ibisköpfigen Göttern Horus, Ra und Thoth geopfert worden waren. Bisher war jedoch nicht klar, ob diese Vögel wild waren, gejagt wurden oder absichtlich wie Katzen, deren Mumien auch sehr oft in altägyptischen Begräbnisstätten zu finden sind, von den Ägyptern gezüchtet wurden.

So führten die Wissenschaftler aus dem französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) eine komplexe geochemische Analyse der Vogelmumien aus dem Musée des Confluences in Lyon durch. Sie kamen dabei zum Schluss, dass die Vögel ursprünglich wild gewesen waren.

Im Rahmen der Untersuchungen nahmen die Forscher winzige Proben von Federn, Knochen sowie einbalsamierten Eingeweiden von zwanzig Vogelmumien. Dann bestimmten sie die Isotopenzusammensetzung der Elemente Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel und Strontium in den Proben und verglichen die Ergebnisse mit ähnlichen Daten für menschliche Mumien. Die Forscher gingen davon aus, dass im Fall der Hauszucht die Isotopenzusammensetzung einheitlich und den menschlichen Mumien sehr ähnlich sein würde, unabhängig davon, ob die Vögel spezielles Futter erhalten oder die Reste menschlicher Nahrung gefressen hatten.

Die Isotopenzusammensetzung der Schlachtkörper zeigte jedoch eine hohe Variabilität und „exotische“ Merkmale, woraus die Wissenschaftler schlossen, dass die Vögel wild gewesen und während saisonaler Migrationsperioden ins Niltal geflogen waren. Darüber hinaus sind Jagdszenen an den Wänden einiger Gräber abgebildet, beispielsweise auf den Fresken des Grabes von Nacht, einem altägyptischen Beamten, in der Nekropole von Theben-West in Ägypten.

Zudem ermöglichte die Radiokarbondatierung der ausgewählten Gewebe, das Alter der Mumien zu bestimmen. Dieses erstreckt sich über einen langen Zeitraum vom Alten Reich (3. Jahrtausend v. Chr.) bis zur Ära der römischen Herrschaft in Ägypten (I-III Jahrhunderte n. Chr.).

Den Wissenschaftlern zufolge jagten die Ägypter die ganze Zeit aktiv Ibisse und andere Greifvögel, was zu einem starken Rückgang ihrer Anzahl führte. Heutzutage sind die in der Zeit des alten Ägyptens weit verbreiteten Ibisse vom Aussterben bedroht. Im Moment sind solche Vögel nur in den felsigen Wüsten Syriens und Marokkos anzutreffen.

Neben Vögeln und Katzen entdeckten die Archäologen auch Mumien anderer Säugetiere und Reptilien in den alten ägyptischen Begräbnisstätten.

ac/mt

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