Gelagerter Camembert in einer Käsefabrik in Bermonville

Zwei von Frankreichs Lieblingsbeschäftigungen – Käse essen und Wein trinken – sind bedroht, da die COVID-19-Pandemie die Schließung von Restaurants, Märkten und Kneipen erzwang. Nun befürchten Hersteller, dass Frankreichs Schlüsselindustrien nicht überleben könnten.

Die Hersteller von Frankreichs hochwertigem Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) haben Mühe, sich über Wasser zu halten, warnte die Holdinggesellschaft Sodiaal am Mittwoch in einer Erklärung.

Französische Polizeistreife auf dem Trocadero-Platz in der Nähe des Eiffelturms in Paris

Käsehersteller verzeichnen einen „Rückgang der Bestellungen um 25 bis 80 Prozent“, seit die Pandemiemaßnahmen in Frankreich in Kraft getreten sind, so die französische Molkereidachgesellschaft.

In Frankreich gibt es 45 Käsesorten, die mit dem g.U.-Prädikat ausgezeichnet sind. Es handelt sich um ein Qualitätszeichen, das nur von offiziellen Behörden vergeben wird.

Einige dieser Käsesorten könnten nun die COVID-19-Maßnahmen nicht überleben, warnte Sodiaal. Man forderte die Großhändler auf, die Produkte so gut wie möglich zu vermarkten. Olivier Athimon, Geschäftsführer für die Käseaktivitäten bei Sodiaal erklärte:

Es ist ein Alarmschrei. Es ist dringend notwendig, dass unsere Händler uns helfen und dass die Supermärkte diesen Sektor entlasten, der sonst sterben wird.

Drei der 21 Käsefabriken der Holdinggesellschaft seien bereits vorübergehend geschlossen worden, und „andere werden es bald sein“, sagte Athimon. Er erklärte, dass die Käsehersteller mit geschützter Ursprungsbezeichnung ein Teil des „gastronomischen Erbes“ Frankreichs seien, der untergehen könnte. Er betonte:

Wir fordern die Vertriebshändler auf, alle ihnen zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung zu setzen, um den Verbrauchern ein abwechslungsreiches Käsesortiment anzubieten: Diversifizierung und Ausweitung der g.U.-Käsesorten in den populären Werbekampagnen und Vertriebskanälen.

Die COVID-19-Krise war auch eine schlechte Nachricht für die französische Weinindustrie, da Weinmessen abgesagt und verschoben wurden. Auch die Exportverkäufe gingen zurück, da weltweit Kneipen, Restaurants und Bars wegen der Pandemie geschlossen wurden. Allein die Exporte von Champagner und französischen Weinen nach China werden voraussichtlich um 50 Prozent zurückgehen.

Frankreich verhängte am 17. März im Rahmen der COVID-19-Eindämmung eine landesweite Ausgangssperre. Diese wurde bereits einmal bis zum 15. April verlängert. Nun warnen die Behörden aber, dass die Maßnahmen noch einmal über dieses Datum hinaus verlängert werden könnten, da Frankreich zu einem von dem Virus am schwersten betroffenen Länder der Welt gehört.

Die wirtschaftliche Aktivität in Frankreich brach in den letzten zwei Wochen um 32 Prozent ein. In den ersten drei Monaten des Jahres schrumpfte die Wirtschaft des Landes um rund sechs Prozent.

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