Maas sagte am Dienstag, dass Deutschland und seine Partner einen Verstoß seitens Russlands gegen das Chemiewaffenverbot  und damit die Missachtung eines existenziellen Prinzips internationaler Zusammenarbeit  in der Situation mit Nawalny sehen würden.

Es sieht laut dem russischen Außenministerium provokativ aus, dass Deutschland diesmal das hohe Podium der Vereinten Nationen genutzt hat, um die unbegründeten Vorwürfe des angeblichen Einsatzes  eines durch die Chemiewaffenkonvention verbotenen chemischen Kampfmittels gegen Nawalny zu erheben.

„Wir betrachten diese öffentlichen Erfindungen als Fortsetzung der offen feindlichen antirussischen Linie Berlins hinsichtlich der sogenannten ‚Vergiftung‘ von Nawalny, als einen Versuch, die Verantwortung für die mangelnde Bereitschaft, in diesem Fall mit uns zusammenzuarbeiten, auf andere zu verlagern und sich hinter dem Rücken von Verbündeten und internationalen Strukturen zu verstecken“, heißt es in einer Erklärung des russischen Außenministeriums.

Dieser Ausfall werde als besonders zynisch wahrgenommen, da die deutsche Seite, die diese gesamte Kampagne initiierte, drei Anträge der russischen Generalstaatsanwaltschaft auf Rechtshilfe zum Nachweis der sogenannten „Vergiftung“ ignoriert habe.

„Unsere Fragen an die Ärzte der Charite-Klinik sind auch unbeantwortet geblieben. Die Vorschläge zum Meinungsaustausch durch medizinische Vereinigungen werden abgelehnt. Unsere Initiativen zu einer gemeinsamen Untersuchung im Rahmen der interparlamentarischen Beziehungen werden zurückgewiesen“, so das russische Außenministerium.

Im Westen werde oft behauptet, es sei jetzt unmöglich, auf die gleiche Weise mit Russland umzugehen, das sogenannte ‚Business as usual‘ zu betreiben.

„Wir unsererseits kommen zu dem Schluss, dass es im Zusammenhang mit dem oben erwähnten Verhalten Deutschlands und seiner Verbündeten in der EU und der Nato unmöglich ist, etwas mit dem Westen zu tun, bis er aufhört, mit Provokations- und Betrugsmethoden zu handeln und beginnt,  sich ehrlich und verantwortungsbewusst zu verhalten“, so das Außenministerium abschließend.

Hintergrund

Der russische regierungskritische Blogger Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet war. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt.

Dort sollen bei ihm angeblich Zeichen einer Vergiftung mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe gefunden worden sein. Die Schlussfolgerungen deutscher Sachverständiger seien von Labors in Schweden und Frankreich bestätigt worden.

Der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, teilte mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien. Die Omsker Ärzte gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben.

Am 23. September hatte die Berliner Charité die Entlassung Nawalnys aus der stationären Behandlung bekannt gegeben. Der Blogger verbrachte insgesamt 32 Tage in dem Krankenhaus.

sm/gs

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