Es gibt nichts Bleibenderes als das Zeitweilige. Der Eiffelturm, der für die Pariser Ausstellung von 1889 erbaut wurde, sollte 20 Jahre später demontiert werden, bleibt aber ein Symbol Frankreichs. So können Museen, sobald sie geschlossen und dann wieder geöffnet sind, wieder schließen. Laut UNESCO haben 90 Prozent der Museen wegen der Pandemie geschlossen, und mehr als zehn Prozent werden ihre Türen nie wieder öffnen. Die Kunstkritikerin und Architekturhistorikerin Federica Rossi (Italien) glaubt, dass die Museen keine Konstante seien:

„Sie wurden im 18. Jahrhundert geboren und können wie alles Menschliche sterben. In all diesen Jahren haben sie verschiedene Zustände erlebt. Und jetzt haben sie einen schwierigen Test durchlaufen – die Schließung aufgrund von Quarantäne. Aber Museen konnten sich überraschend schnell wiederbeleben und trotz alledem ein Teil unseres Lebens bleiben.“

Im Online-Format ist es jetzt möglich, Meisterwerke von zu Hause aus zu betrachten – auf eine Weise, wie sie unter realen Museumsbedingungen nicht möglich ist. Heutzutage stehen Museen vor vielen Fragen: Wie muss die Museumsarbeit unter den neuen Bedingungen organisiert werden, wie müssen Ausstellungen durchgeführt werden, wie muss die Balance zwischen Online und Offline aufrechterhalten werden?

Russland reagierte sofort auf die neue Realität. Die Eremitage (St. Petersburg) verfügt über eine leistungsstarke Abteilung, die online arbeiten konnte. Natürlich birgt die neue digitale Realität von Museen auch gefährliche Momente. Nicht jeder kann wie die Eremitage arbeiten. Daher sollten alle Museen zusammen online sein, sagte ihr langjähriger Direktor Michail Piotrowski.

„Jeden Tag, wenn wir uns mit Kollegen online treffen, sprechen wir über jene Museen, die keinen so breiten Zugang zum Publikum haben wie die Eremitage. Die Zeit unter Quarantäne hat gezeigt, dass ein geschlossenes Museum immer noch ein Museum ist. Dies ist nicht nur ein Ort, wohin das Publikum geht. Hier wird gesammelt, gespeichert, gezeigt, berichtet. Es mag hier kein Publikum geben, aber es ist immer noch ein Museum.“

Laut Piotrowski sollten die Museen sehr unterschiedlich sein, dann werden sie sowohl offline als auch online gut existieren. Ein Museum zu besuchen, ist nicht so einfach wie früher, die Anzahl der Besucher ist begrenzt. Noch schwieriger ist es, ein Museum in einer anderen Stadt zu erreichen, in einem anderen Land – sicher unmöglich, weil die Grenzen noch geschlossen sind. In einem Museum zu sein, ist daher eine Art Privileg.

Noch eine Frage: Wird es möglich sein, die Besucher in die Museen zurückzuholen, und sollte dies getan werden? Einerseits ist es angenehm, sich in halbleeren Hallen zu bewegen und die Meisterwerke in aller Ruhe zu bewundern. Zum anderen hängen das Einkommen eines Museums sowie seine Weiterentwicklung von der Besucherzahl ab.

Die Direktorin des Staatlichen Puschkin-Museums der bildenden Künste, Marina Loschak, bedauert: „Es ist schwierig, uns zu entwickeln, wenn nur wenige Besucher im Museum sind und wir zu wenig verdienen.“ Die Direktorin muss nun Entscheidungen treffen, aber sie möchte, dass die Gesellschaft und der Staat die Verantwortung für diese Entscheidungen mit dem Museum teilen – das wäre fair, glaubt Marina Loschak. „Wir wiederholen wie ein Mantra, dass die Welt niemals dieselbe sein wird. Das ist eher eine gute als eine schlechte Nachricht. Es wird anders sein, und wir können es in hohem Maße beeinflussen. Wir müssen der Welt und der Gesellschaft klare Signale geben, welche Rolle wir im neuen Paradigma der Entwicklung dieser Welt spielen.“

Für das Puschkin-Museum ist das wichtig, da es ein großes Museumsviertel baut – 29 große und kleine Gebäude – wer wird in dieses riesiges Museum kommen? Es scheint, dass die Besucher bereits an die neue Form der Kommunikation gewöhnt sind und nicht wollen, starke Eindrücke zu erleben, die die Live-Kunst vermittelt. „Es ist bequem für sie, von zu Hause aus mit uns zu kommunizieren, und ich habe große Angst, dass diese Leute außerhalb des physischen Museums bleiben. Aber lebende Kunst kann nicht online genährt werden“, ist sich die Direktorin des Puschkin-Museums sicher.

Laut dem Generaldirektor der Pinakothek Brera und der Nationalbibliothek Bridense (Mailand), James Bradburn, war die Krise, die die Menschen unter der Pandemie erlitten hatten, entscheidend für das Leben der Museen. Sie brachte die Menschen dazu, sich zu mobilisieren und Entscheidungen in längst überfälligen Fragen schneller zu treffen.

„Natürlich verwenden wir neue Kommunikationen und Technologien, aber in vielerlei Hinsicht denken wir veraltet. Natürlich haben wir uns schnell arrangiert – am 21. Februar haben wir geschlossen und buchstäblich einige Tage später unsere Sammlungen online angeboten. Wir wollten unser Publikum erreichen. Unsere Besucher waren mehrere Millionen Menschen pro Woche. Aber in einem Museum geben wir den Menschen Freiheit, die sie nicht bekommen, wenn sie einen Film auf der Website des Museums sehen, wo ihm die Reihenfolge der Betrachtung auferlegt wird. Andererseits ermöglicht online eine detaillierte Betrachtung eines Werkes. Die Kombination von Online und Offline ist der Schlüssel zur Erkenntnis“, so James Bradburn.

Der CEO des IT-Startups Cuseum, Brendon Sieco (Boston, USA), sagte bei der Online-Konferenz in Moskau, dass das Covid die Digitalisierung beschleunigt habe und die Pandemie zu einem stressigen Faktor geworden sei, der alle Ressourcen angezogen habe. „Dieses organisierte Chaos war absolut notwendig. Der neue Inhalt hat die Nachfrage gedeckt, die während der Pandemie entstanden ist. Unter Bedingungen der Isolation erwies sich die virtuelle Realität als gefragt.“

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