Die Teilnehmer des Aufstands seien in andere Kolonien sowie in U-Haft gebracht worden, das Wohngebiet wurde nicht betroffen, sagte am Sonntag der Leiter der gesellschaftlichen Überwachungskommission für die Einhaltung der Menschenrechte an Orten des Strafvollzugs im Gebiet Irkutsk, Oleg Antipenko.

„Erst jetzt fahren wir aus der Strafkolonie. Sie befindet sich derzeit im Ausnahmezustand. Der Speisesaal, die Krankenstation und der Wohnbereich sind in normalem Zustand. Das gesamte Industriegebiet wurde verbrannt. Drei Pferde sind am Leben geblieben. Man darf das Industriegebiet nicht betreten, dort arbeitet das Untersuchungskomitee. Wegen der Coronavirus-Quarantäne ist es nicht möglich, die Menschen zu befragen. Darüber hinaus sind alle Teilnehmer in verschiedene Kolonien gebracht worden … Ich selbst verstehe nicht, was hätte passieren können. Die Behörden haben versprochen, dass ein Vertreter der Überwachungskommission sich bald mit dem Mann treffen dürfe, der das alles initiiert hat“, sagte Antipenko.

Wegen des Aufstands vom 9. April in der Strafkolonie ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. Medienberichten aus der Region Irkutsk zufolge wurden etwa 300 Menschen verletzt.

Am Donnerstag wurde berichtet, die Unruhen im Gefängnis begannen, als sich ein Gefangener nach dem Ausrufen der Nachtruhe weigerte, den Anweisungen der Wachen Folge zu leisten. Der regionale Gefängnisdienst erklärte, dass Gefangene in anderen Zellen, durch Insassen ermutigt, Überwachungskameras zerschlugen und viele sich selbst verletzten. Im Verlauf der folgenden Auseinandersetzung wurde auch ein Mitarbeiter verletzt. Laut offiziellen Angaben wurden mehrere Gebäude von Gefangenen in Brand gesetzt. In den Brandtrümmern wurde die Leiche eines 31-jährigen Gefangenen gefunden.

Fälle von Meuterei in Gefängnissen

Im März 2020 hatten Sicherheitskräfte im von Kurden kontrollierten Nordosten Syriens eine Meuterei gefangener IS*-Anhänger beendet. Anti-Terror-Kräfte der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hätten damals die Lage in einem Gefängnis der Stadt Al-Hassaka vollständig unter Kontrolle gebracht. Die vier geflohenen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wurden gefasst. Kein IS-Anhänger sei entkommen. Die Meuterei sei von Kämpfern der IS-Miliz angezettelt worden. In dem Gefängnis seien insgesamt rund 5.000 Häftlinge untergebracht.

Im Januar 2018 gab es einen Aufstand in dem französischen Staats- und Hochsicherheits-Gefängnis Fleury. Mindestens 123 Insassen weigerten sich, den Anweisungen des Sicherheitpersonals Folge zu leisten und in ihre Zellen zurückzukehren. Damals  sind auch Mitarbeiter des französischen Strafvollzugs selbst auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen die Überbelegung und tägliche Angriffe  der Gefangenen auf die Vollzugsbeamten.

* Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten

sm/gs

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