„In Anbetracht sinkender Temperaturen und der Verlagerung von Gruppenaktivitäten in Innenräume bestehe die Gefahr, dass es abermals zu einer schwer kontrollierbaren Entwicklung der Pandemie komme“, schreibt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in der am Mittwoch erschienenen Ad-hoc-Stellungnahme „Coronavirus-Pandemie: Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen“.

Die Leopoldina appelliert an die Verantwortlichen in Bund und Ländern, sich rasch auf bundesweit verbindliche, wirksame und einheitliche Regeln für das Inkrafttreten von Vorsorgemaßnahmen zu einigen und letztere konsequenter als bisher um- und durchzusetzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im April die Empfehlungen der Leopoldina als „sehr wichtig” für das Erstellen der Corona-Regeln bezeichnet.

Kein Impfstoff in der Erkältungssaison

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass sich der Anstieg der Infektionen mit SARS-CoV-2 in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien, Niederlande und Österreich oder in Israel bereits deutlicher zeigt als in Deutschland. Ein Impfstoff gegen das Coronavirus werde auch nach optimistischer Einschätzung nicht vor dem Frühjahr 2021 in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Auch die Wirksamkeit medikamentöser Therapien sei bisher begrenzt. Mit der beginnenden Erkältungs- und Influenzasaison steige zudem die Herausforderung, Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik von COVID-19 zu unterscheiden.

Wer keine Maske trägt, muss Strafe zahlen

Um vor diesem Hintergrund die Zahl der Infizierten in den kommenden Monaten auf niedrigem Niveau zu halten, empfiehlt die Leopoldina Verstöße gegen Corona-Regeln, wie beispielsweise die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, deutschlandweit mit Bußgeldern zu bestrafen. In der Empfehlung der Leopoldina heißt es:

„Die Missachtung verbindlicher Anordnungen zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist überall mit einem Bußgeld zu belegen, um solchen Anordnungen den gebotenen Nachdruck zu sichern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass im Falle einer bloßen Empfehlung nur 77 % der Befragten, dagegen im Fall einer verbindlichen Pflicht 97 % bereit wären, eine Maske zu tragen.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass die AHA-Regeln (Abstandhalten, Hygiene, Alltagsmaske/Mund-Nasen-Schutz) und ein regelmäßiger Luftaustausch in Räumen nach wie vor die wichtigsten und wirksamsten Mittel sind, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Mit Blick auf eine mögliche angespannte Situation im Herbst und Winter sollten bundesweit einheitliche Regeln und Eskalationsstufen für Schutzmaßnahmen definiert werden, die je nach regionalem Infektionsgeschehen greifen. Sie müssten regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Quarantänezeit könnte verkürzt werden

An anderer Stelle spricht sich die Leopoldina-Akademie für eine Verkürzung der Quarantäne- und Isolationszeiten „auf etwa eine Woche“ aus. „Auch die Quarantänezeit von Personen, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt waren (beispielsweise Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person oder Aufenthalt in einem Risikogebiet), ließe sich nach neueren Schätzungen von 14 auf 10 Tage reduzieren.“, empfiehlt die Leopoldina.

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