„If Donald Trump had captained the Titanic“ [Deutsch: Wenn Donald Trump die Titanic gesteuert hätte], heißt es auf dem Bild mit einem der „Titanic“ ähnlichen Schiff, das Böhmermann am Mittwochmorgen auf Twitter postete. Er hätte dann womöglich erst behauptet, dass es keinen Eisberg gebe oder dass man dem Eisberg nicht begegnen werde, so das Bild. Dann wären die Ausreden gefolgt wie etwa „Ich wusste, dass es ein Eisberg war, bevor es jemand anderes wusste“, „Niemand kennt Eisberge besser als ich“, „Die Pinguine brachten den Eisberg hierher“, „Niemand hätte den Eisberg vorhersagen können“, „Die Crew verbreitet Fake News über Eisberge“, „Einige von euch müssen ertrinken“ oder „Ich bin der beste Kapitän, fragen Sie jemanden“.

​Ein Witz, der bereits mehrere Tausende von Nutzern amüsiert hat, weil er womöglich so gut die fragwürdige Taktik des US-Präsidenten bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus beschreibt. In den Kommentaren legen die Leser mit den eigenen Witzen nach. „Es ist ein chinesischer Eisberg“, schrieb etwa der Nutzer „Pjodus“ auf Englisch, angespielt auf die früheren Äußerungen Trumps über das „chinesische Virus“. „Als Kapitän ist meine Autorität total, aber ich übernehme keine Verantwortung“, so der Nutzer Christoph Pagelkopf. „Obama-Beschuldigung fehlt“, meinte seinerseits Stefan Müller. Zurecht?

Seit Wochen sind die USA mit bereits 614.180 gemeldeten Infizierten und 26.061 Toten (Stand: Mittwochnachmittag) das neue Coronavirus-Epizentrum der Welt. Erst am 13. März hatte Trump den nationalen Notstand ausgerufen – nach Vorwürfen seitens der Opposition und der Öffentlichkeit, die Gefahr durch das Coronavirus in den USA kleinzureden. Nun hat er auch die Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gekappt, wobei er die Organisation wegen deren angeblichen Missmanagements bzw. deren Vertrauen auf Angaben aus China für die vielen Toten mitverantwortlich machte. Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte das Handeln der USA etwas zurückhaltend per Tweet, Entwicklungsminister Gerd Müller kündigte gegenüber Reuters höhere Beiträge aus Deutschland an. Anfang der Woche lieferte der US-Präsident einen Streit mit den Gouverneuren der Bundesstaaten über eine mögliche Lockerung der Corona-Einschränkungen. Wie „The Guardian“ berichtete, wollte Trump in der Frage „absolute Machtbefugnisse“ für sich und warf den Gouverneuren „Meuterei“ vor. Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo warnte den Staatschef seinerseits vor einem „diktatorischen“ Verhalten wie ein „König“.

Einiges scheint an dem offenbar geglückten Streich Böhmermanns doch nicht zu stimmen. Zwar gesteht er in einem Kommentar unten – allerdings nicht in dem Originalpost, – dass er den Scherz eigentlich aus dem geschlossenen Account der Instagram-Nutzerin Nellie Castan geborgt habe, also dass dieser nicht original ist. Inzwischen wies einer seiner Leser darauf hin, dass der bekannte US-Sänger Richard Marx schon vor einigen Tagen ähnlich gescherzt hatte. 

​„Zwei Wochen nachdem wir den Witz schon längst gerissen hatten in den USA. Und wir waren witziger…“, bemängelte der Nutzer „Maurice“ in dieser Hinsicht. Auch scheint Böhmermann es nicht geschnallt zu haben, dass die Titanic gerade in der Nacht vom 14. auf den 15. April untergegangen war. „Einerseits lustig – andererseits aber ziemlich lame, einen solchen Witz ausgerechnet am Jahrestag des Titanic-Unglücks zu reißen“, schrieb dazu etwa die Nutzerin „GloriasSecrets“.

lk/gs

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