Der Markt fordert gemeinsame Handlungen, zu denen die russischen Ölunternehmen demnach zwar bereit sind, allerdings zusammen mit OPEC-Plus und Großproduzenten wie den USA. Experten nahmen gegenüber Sputnik Stellung zu der Frage, ob die Seiten sich auf eine Verlängerung des Deals einigen werden und ob ein neues Opec-Plus-Format zu erwarten ist.

Zähes Geschacher

Die Verhandlungen über die Stabilisierung der Ölpreise würden unter den jetzigen Bedingungen schwierig sein, äußerte der Experte der Finanzuniversität bei der Regierung Russlands und führender Analyst des Fonds für die nationale Energiesicherheit Russlands, Igor Juschkow. Ihm zufolge werden bei weitem nicht alle Exportländer zur großen Kürzungen der Fördermengen bereit sein.

„Der Deal wird sehr schwierig zu gestalten sein. In der jetzigen Situation muss die Förderung um zehn bis 20 Mio. Barrel pro Tag gedrosselt werden. Es ist klar, dass diese Maßnahme vorübergehend ist, doch sie ist sehr spürbar für alle Marktakteure. Doch Russland drängt darauf, dass die Förderung von allen Ländern gekürzt werden soll. Damit ist Saudi-Arabien eindeutig nicht einverstanden, das mit der Erhöhung der Fördermengen droht. Also zumindest bei dieser Frage ist ein Stolperstein bei den Verhandlungen zu erwarten“, so der Experte.

Auch der libanesische Ölexperte Rabia Yaghi teilt diese Meinung. Das bevorstehende Opec-Plus-Treffen werde auf die Wiederherstellung des Gleichgewichts auf dem Markt gerichtet sein – die Förderung werde nichtsdestotrotz abgebaut und der Preis stabilisiert.

„Das Problem besteht darin, dass rund 20 Prozent des Öls auf dem Weltmarkt wegen der Corona-Pandemie und Schließung der Produktionsstätten überflüssig wurden. Deswegen müssen Exportländer die Nachfrage und das Angebot ausbalancieren. Das ist unvermeidlich“, so der Experte.

Neues Format

Der Chef des Zentrums für Energie- und Ölstudien in Saudi-Arabien, Rasheed Abanumi, sagte, dass Opec Plus ein neues Format brauche, weil der bisherige Deal für dessen Teilnehmer ausgedient habe. Zudem profitierte von dem Deal gerade das Land, das dem Opec-Plus-Abkommen nicht angehörte.

„Das Format der Opec-Plus-Verpflichtungen muss geändert werden. Sonst ist es so, dass der Gewinn der USA, die nicht zum Deal gehören, höher war als bei anderen Ländern. Die USA förderten rund 13 Mio. Barrel pro Tag. Es ist klar, dass die USA ein freier Akteur auf dem Ölmarkt sind, der den Rohstoff nicht nur exportiert, sondern auch importiert. Allerdings müssen das Format erweitert und die Verpflichtungen umverteilt werden“, sagte der Experte.

Steigen die USA in den neuen Deal ein?

Analysten und Experten sprechen von der Wichtigkeit des Einstiegs der USA in den Deal. Auch Präsident Donald Trump redet sehr viel vom Öl und einem neuen Abkommen. Was ist also zu erwarten?
Laut Juschkow werden die USA der Opec Plus jedoch nicht beitreten – obwohl es entsprechende Gespräche dazu geben kann.

„Russland spricht über die USA als einen neuen Teilnehmer der Vereinbarung. Viele nennen sie sogar Opec Plus Plus – gerade weil es dadurch mehr Teilnehmer werden. Doch ich denke, dass sich die USA wohl nicht dem Deal anschließen werden – durch ihre Gesetzgebung ist die Beteiligung an Kartellen verboten“, so der russische Experte.

Yaghi sagte bezüglich der aktiven Reaktion Trumps auf die Veränderungen auf dem Ölmarkt: „Falls die Ölpreise so niedrig bleiben werden, wird das die USA zur Sperrung der Bohr- und Förderplattformen bewegen – das Schieferöl wird einfach unrentabel bleiben. Mehrere US-Ölproduzenten sind von der Pleite bedroht. Gerade deswegen kann Trump nicht tatenlos zusehen. Doch ob sich die USA dem Deal anschließen werden – das ist eine offene Frage“.

Positives Szenario

Doch trotz aller Schwierigkeiten bei den Opec-Plus-Gesprächen sollte der Ausgang positiv sein, meint der libanesische Experte. Die Seiten sollten einen Kompromiss finden.

„Falls das Treffen erfolgreich verläuft, sollten die Preise auf mindestens 30-35 Dollar steigen. Natürlich gibt es auch jene, die von niedrigen Preisen profitieren. Zum Beispiel Länder, die Öl bereits zu sehr niedrigen Preisen gekauft haben“, sagte Yaghi.

Am 9. April finden neue Verhandlungen über die Stabilisierung des Ölmarkts im Opec-Plus-Rahmen statt. Doch bislang gibt es keinen Konsens zwischen Russland und Saudi-Arabien zur Drosselung der Ölförderung, sagte eine Quelle, die mit dem Verlauf der Vorbereitung auf das Treffen vertraut ist, gegenüber Sputnik. Alles werde sich am Tag der Verhandlungen entscheiden.

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