Autohersteller in Europa reden nicht gern über ihre Zeit im Zweiten Weltkrieg. Nicht, dass es ihnen damals an erfolgreichen Automodellen mangelte – im Gegenteil. Es soll nur nicht an der großen Glocke hängen, dass sie ihre guten Autos auch an die Wehrmacht lieferten. Nur das Internet macht keinen Hehl daraus: Eine einfache Google-Suche mit einschlägigen Wörtern wie „Citroёn“, „Renault“ und „Wehrmacht“ liefert auf Mausklick die kompromittierenden Bilder. Am Ende aber ist die Geschichte doch nicht so, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag.

In den 1930ern begann Citroёn mit der Serienfertigung seines 4,5-Tonners T-45. Ein mittelschwerer Langhauber mit 85 PS aus einem 4,6-Liter-Benziner. Ab 1937 war auch eine Dieselversion verfügbar. Die Produktion endete auch nicht im Zweiten Weltkrieg, als Frankreich von den deutschen Truppen besetzt worden war. Nur der Hauptabnehmer für den T-45 wechselte: Die Wehrmacht bestellte den Lastwagen in großen Stückzahlen. Über 25.000 Exemplare lieferte Citroёn von 1941 bis 1944 an die Deutschen.

Ein Citroen-Lkw von Wehrmacht an der Ostfront 1943

Eine Schmach für die nationalstolzen französischen Arbeiter, doch die Scharte wetzten sie aus – durch List und Tücke. Die Sabotage war kaum merkbar, aber sie wirkte enorm. Die Fließbandarbeiter von Citroёn statteten alle T-45-Lastwagen mit falschen Ölmessstäben aus: Die Striche „min“ und „max“ wurden viel tiefer angesetzt, als es der Normalölstand des Motors erforderte. Entsprechend wenig Motoröl war in der Wanne.

Somit bekamen die Wehrmachtstruppen von den Franzosen Lastwagen mit serienmäßig ab Werk vorinstallierten Motorschäden. Ob die deutschen Mechaniker letztlich begriffen, dass die häufigen Ausfälle des T-45 auf absichtlichen Pfusch zurückzuführen waren, wissen wir nicht genau. Vielleicht dachten die Nazis damals, dass die „Drecksfranzosen“ einfach keine Autos bauen könnten.

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