„Wenn ich von einer Zusammenarbeit rede, gehe ich davon aus, dass alle, darunter unsere Partner, verstehen, dass es hier um eine Verringerung der Fördermenge geht, die dem Stand vor der Krise, also dem ersten Quartal des laufenden Jahres entspricht“, sagte der russische Staatschef in einer Besprechung zur Lage auf dem globalen Markt für Energieressourcen.

Russland sei in dieser Frage zu einer Zusammenarbeit mit der Opec+ und den USA bereit, erklärte Putin am Freitag. Er glaube, „dass es notwendig ist, die Anstrengungen zu vereinen, um den Markt auszugleichen und die Produktion zu verringern“. Es sei möglich, die globale Ölproduktion um zehn Millionen Barrel pro Tag zu senken.

Putin betonte, dass die Coronavirus-Pandemie und die damit einhergehenden massiven Einschränkungen in der Wirtschaft weltweit zu einem Rückgang der Erdöl-Nachfrage geführt hätten. Auch Saudi-Arabiens Ausstieg aus den Verhandlungen der Opec+ habe seinen Teil dazu beigetragen.

Stabilisierung des Marktes

Der russische Präsident äußerte die Vermutung, Riad versuche auf diese Weise die Konkurrenz (Schieferöl-Unternehmen) vom Markt zu drängen.

„Damit das gelingt, müssen die Ölpreise unter 40 Dollar pro Barrel liegen. In dieser Hinsicht haben sie ihr Ziel gewissermaßen erreicht“, sagte Putin.

Laut Putin hat Russland so etwas jedoch nicht angestrebt, da der Staatshaushalt auf einem Ölpreis von 42 Dollar pro Barrel beruht.

Der Präsident betonte, dass die aktuelle Situation auf dem Öl-Markt in Zukunft ein Defizit verursachen könnte. Zudem verwies er auf mögliche technologische und ökologische Risiken.

„Ich wiederhole noch einmal: Unsere wichtigste Aufgabe ist es, sowohl für die Erzeuger als auch für die Verbraucher eine langfristige Stabilität zu gewährleisten“, so der russische Staatschef.

Er fügte hinzu, Moskau würde diesbezüglich mit Washington und Riad eng zusammenarbeiten.

Russlands Ölminister Alexander Nowak begrüßte Putins Vorschlag, betonte jedoch, dass sich alle wichtigen Erzeuger an den Maßnahmen beteiligen müssten. An dieser Stelle hob der Minister die USA als Schlüsselpartner hervor. Nur mit Produktionskürzungen könne man einen Zusammenbruch des Ölmarktes verhindern.

Trump sucht das Gespräch

In Bezug auf die Differenzen zwischen Moskau und Riad äußerte sich kürzlich US-Präsident Donald Trump wie folgt: „Russland, Saudi-Arabien – ich denke, dass sie in den nächsten paar Tagen etwas ausarbeiten werden (…), weil dies (die Situation um die Ölpreise – Anm. d. Red.) sehr schlecht für Russland und auch sehr schlecht für Saudi-Arabien ist. Daher denke ich, sie werden sich einigen.“

Trump verwies darauf, dass er in den letzten Tagen Telefongespräche mit den Staatschefs beider Länder geführt habe. Das Gespräch mit Wladimir Putin bezeichnete er als „sehr gut“.

Talfahrt der Ölpreise

Im Rahmen der Verhandlungen der OPEC+ über die Bedingungen der Ölförderung forderte Saudi-Arabien Anfang März eine Drosselung der Ölproduktion zur Stabilisierung der Preise, was Russland damals ablehnte. Daraufhin senkte Saudi-Arabien den Ölpreis massiv und kündigte zudem an, die Fördermenge auf 12,3 Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen.

Infolge der gescheiterten Verhandlungen traten alle Einschränkungen für die Ölförderung ab dem 1. April außer Kraft. Auch der sogenannte Corona-Crash an den weltweiten Börsen wurde durch diesen „Ölpreiskrieg“ nur noch verschärft.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hatte erklärt, dass Russland und Saudi-Arabien keine Preiskriege führen würden, allerdings bestehe eine ungünstige Weltkonjunktur.

mka/gs

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