Weltweit steht das Coronavirus im Mittelpunkt der Medien und des Alltaglebens. Mit fast zwei Millionen bestätigten Fallzahlen (Stand 14.04.), wurden viele einschränkende Maßnahmen in ganz Europa getroffen, um das Virus einzudämmen. Ebenfalls lassen sich schwere Folgen dieser Maßnahmen in den Entwicklungsländern spüren. Die Covid-19-Pandemie hat zufolge, dass viele Aktionen, welche die dortigen Bevölkerungen mit Impfstoffen gegen Masern versorgten, stillgelegt wurden.

Am stärksten davon betroffen ist die Demokratische Republik Kongo. Schon Ende des Jahres 2018 begann hier eine Masern-Epidemie. In den Jahren 2019 und 2020 haben nun geschätzt 6500 Kinder ihr Leben wegen dieser Krankheit verloren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet diese Epidemie schon seit Anbeginn. Dabei bestätigen Experten der WHO, dass dies der größte Masern-Ausbruch seit der Entwicklung des Impfstoffes 1963 war.

Hohe Infektionsgefahr

Die Sterblichkeitsrate von Masern in Entwicklungsländer beträgt, gelinde gesagt, „nur“ drei bis sechs Prozent, doch bleiben Betroffene oft mit permanenten Schäden zurück. Unter anderem können Erkrankte Gehirnschäden, Taubheit oder Blindheit erleiden. Die bisher höchst aufgezeichnete Todesrate entsprach 30 Prozent der Infizierten. Außerdem zeigt das Masern-Virus eine viel höhere Ansteckungsrate als beispielsweise das Coronavirus. Das „Nature“-Magazin verglich die Zahlen: Während Ebola-Patient durchschnittlich 1,5 bis 2,5 neue Menschen ansteckt und der Covid-19-Patient zwei bis drei, steckt ein Masern-Infizierter im Durchschnitt 12-18 Menschen an. Das macht die Masern zu dem bisher infektiösesten Virus, das die Wissenschaft kennt.

Aufgrund der hohen Geburtsrate in der Demokratischen Republik Kongo – 3,5 Millionen Neugeborene jährlich – benötige das Land alle zwei Jahre eine große Impfkampagne. Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, wurden diese jedoch verschoben. Von dieser Stilllegung seien insgesamt 23 Länder betroffen. Deswegen ist davon auszugehen, dass dieses Jahr 78 Millionen Kinder keine Impfung gegen die Masern erhalten können.

In der Demokratischen Republik Kongo seien im Jahr 2018 57 Prozent aller Kinder einmal geimpft worden. Um eine Massenimmunität zu erreichen, müssten aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr 92-97 Prozent der Bevölkerung immun sein. Um das zu erreichen, gehöre laut Experten auch eine zweite Impfung, die den meisten Kindern fehlt. Diese Bedingungen seien laut einer Studie der UNICEF ideal, um einen Masern-Ausbruch hervorzurufen.

lm

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