Im Laufe der vergangenen Woche stieg der Durchschnittspreis für Weizen auf dem Inlandsmarkt um 1.000 Rubel und erreichte laut Agrarportal „Sovecon“ fast 13.300 Rubel pro Tonne – das sei ein Rekordhoch. Dies mag den Exporteuren nicht schmecken, inländische Analysten im Land erwarteten weitere Preiserhöhungen, so ein Bericht der Wirtschaftszeitung „Kommersant“.

Rubel-Devaluation und Gerüchte um Exporteinschränkungen

Die Hauptgründe für den Anstieg der Getreidepreise sind ein starker Rückgang des Rubels und hohe Weltmarktpreise, sagt Sovecon-Direktor Andrej Sisow. Ihm zufolge stiegen die Getreidepreise an den Weltbörsen trotz des Rückgangs anderer Märkte. Der an der Börse in Chicago (Chicago Board of Trade – CBOT) gehandelte Weizen hat am vergangenen Freitag bei 546,88 US-Cents je Scheffel ein Dreiwochenhoch zu verzeichnen gehabt: Eine Steigerung um 6,7 Prozent auf 198 US-Dollar pro Tonne. In Paris sogar um 6,9 Prozent auf 204 US-Dollar pro Tonne. Russischer Weizen wurde auf 207 USD pro Tonne festgelegt. Der Weltmarkt habe auch auf die Devaluation des Rubels und auf Gerüchte über eine mögliche Einschränkung der Getreideexporte reagiert.

Lieferungen möglicherweise vorgezogen

Die Nachfrage nach Getreideprodukten wie Mehl oder Nudeln steige in den von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Gebieten – leergefegte Supermarktregale zeugen davon. Auf Verbraucherebene sei dies auch auf der anderen Seite der Erde, etwa in Australien, sichtbar, zitiert das Börsengeschäftsportal „Godmodetrader“ die Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl. Ob dies dauerhaft sei und ob dieser Effekt tatsächlich zu einer Ausweitung der Kapazitäten oder deren Auslastung bei den verarbeitenden Betrieben führe, sei unklar, so die Analystin. Möglich sei auch, dass die Produzenten ihre bereits zuvor vertraglich vereinbarten Lieferungen an den Handel lediglich zeitlich vorzögen, solange Produktion und Vertrieb ohne große Einschränkungen laufen können.

Ölpreise im Keller

Der Preis für Weizen hat zwischenzeitlich den für russisches Öl überflügelt. Erdöl der Marke „Ural“ wurde Ende vergangener Woche mit 12.850 Rubel pro Tonne (rund 20 US-Dollar pro Barrel) gehandelt. Derzeit ist Erdöl auf dem niedrigsten Preisniveau seit Jahrzehnten: Einerseits ob der Coronavirus-Pandemie, welche die Nachfrage nach Rohstoffen aufgrund von Betriebsstillständen in mehreren Ländern einbrechen ließ. Und andererseits wegen der Unstimmigkeiten mit der OPEC.  

ba

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