Russische Botschaft in USA fordert Erklärung nach mehrstündiger Vernehmung eines RT-Reporters

Die russische Botschaft in den USA hat sich bei den US-Behörden über eine mehrstündige Vernehmung eines Reporters des russischen Auslandssenders RT beschwert. Die diplomatische Vertretung spricht von Druck auf den Journalisten und fordert eine Erklärung.

Der russische RT-Journalist Konstantin Roschkow ist von den US-Behörden mehrere Stunden lang vernommen worden. Der Vorfall ereignete sich am 15. Oktober an einem Flughafen von New York, als der Reporter in den USA eintraf, um einen Dokumentarfilm über die Situation im Land kurz vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November zu drehen. Nach der Ankunft wurde Roschkow für eine Befragung in ein privates Zimmer zitiert und durfte es erst nach mehr als drei Stunden wieder verlassen.

Wie der RT-Reporter mitteilte, habe das Sicherheitspersonal ihm sofort seinen Reisepass, sein Smartphone und seinen Laptop weggenommen. Er sei gebeten worden, sein iPhone zu entsperren. Während der Vernehmung habe man Roschkow auch gefragt, ob er wisse, dass RT in den USA als Auslandsagent eingestuft sei. Der Journalist sagte, man habe ihn auch nach seiner Teilnahme an den Tests des russischen SARS-CoV-2-Impfstoffs Sputnik V gefragt und ob er noch Schulterschmerzen nach der Injektion habe.

Auf die Frage, warum er über Protestaktionen während der Präsidentschaftswahl berichten wolle, antwortete Roschkow nach eigenen Angaben:

Weil das etwas ist, das in Amerika gerade jetzt passiert, und Journalisten aus der ganzen Welt darüber ihre Reportagen drehen.

Da die US-Behörden ihm nichts Illegales nachweisen konnten, bekam der RT-Reporter seine persönlichen Sachen zurück und wurde freigelassen.

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Auf den Vorfall wurde die russische Botschaft in den USA aufmerksam. In ihrem Statement wiesen die Diplomaten darauf hin, dass die Vernehmung des russischen Journalisten eindeutig über das gewöhnliche Prozedere in Bezug auf die öffentliche Sicherheit hinausgegangen sei. Dies sei ein grober Versuch der US-Behörden, einen Mitarbeiter eines Mediums unter Druck zu setzen, das den Zuschauern eine alternative Sicht auf die Geschehnisse in den USA anbiete. Die diplomatische Vertretung in Washington forderte von den US-Behörden eine Erklärung.

Die russische Botschaft teilte darüber hinaus mit, dass das State Department bislang keine substanzielle Antwort auf die diplomatischen Noten mit dem Appell gegeben hatte, Zwischenfälle der Polizeigewalt gegen russische Journalisten zu untersuchen. Mitte Juli waren nämlich mehrere russische, aber auch andere ausländische Journalisten während der Berichterstattung über massenhafte Proteste in Portland und Minneapolis von US-Polizisten unter anderem mit Pfefferspray angegriffen worden.

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