Der Fonds investierte zusammen mit ausländischen und russischen Partnern in die Entwicklung von Covid-19-Testsystemen, die in russischen Kliniken bereits zum Einsatz kommen und ins Ausland geliefert werden sollen. Warum die Geopolitik keine Rolle mehr spielt, wann Corona-Tests zu Hause per Smartphone gemacht werden können, und wie sich die Welt nach der Pandemie ändern wird – darüber sprach Kirill Dmitrijew in einem Interview mit Ria Novosti.

– Der russische Direktinvestitionsfonds arbeitet mit Partnern in der ganzen Welt zusammen. Wie nutzen Sie deren Erfahrung unter den schwierigen Bedingungen im Kampf gegen das Coronavirus?

– Wir kooperieren mit führenden Fonds, Investoren, Unternehmen aus 17 Ländern – das spielte die wichtigste Rolle, als wir mit als Erste wichtige Informationen darüber erhielten, was bei der Covid-19-Epidemie in China geschieht. Wir brachten als Erste die chinesischen Tests der Firma BGI nach Russland, damit unsere Kollegen die in Russland entwickelten Tests mit jenen aus China vergleichen konnten.

Für die Lösung des Covid-19-Problems müssen natürlich alle Länder zusammenarbeiten. Die russisch-japanischen Tests sind bereits ein Beispiel für solch ein Zusammenwirken, mit China und sogar mit den USA wird aktiv daran gearbeitet. Nun ist die Zeit gekommen, die geopolitischen Auseinandersetzungen beiseite zu schieben, darunter mit Europa und den USA, und zusammen gegen das Virus zu kämpfen.

– In der vergangenen Woche verkündete der Russische Direktinvestitionsfonds, dass zusammen mit der japanischen Firma Mirai Genomics ein neues Covid-19-Testsystem geschaffen wurde. Das System wurde in Russland bereits zugelassen. Wann könnte der erste Test stattfinden?

– In der vergangenen Woche wurde das System von der Gesundheitsbehörde Rossdrawnadsor gebilligt, es wird schon aktiv in einigen Kliniken eingesetzt. Zudem wird es von verschiedenen Korporationen genutzt, so bat gestern die Firma PhosAgro um diese Testsysteme, um Menschen zu testen, die mit einem Covid-Infizierten in Kirowsk Kontakt gehabt hatten.

Unser Testsystem wurde bereits in Österreich zertifiziert, wir beantragten auch dessen Nutzung in den USA. Wir denken, dass unsere Technologie von den führenden Ländern genutzt werden wird.

– Wie schnell sind die Ergebnisse Ihres Tests zu bekommen?

– Derzeit gibt es drei Produkte auf Grundlage unserer Technologie. Das erste für Labore, die PCR-Tests machen. Sie können unser Testsystem nutzen; statt zwei Stunden dauert es nur 30 Minuten, bis ein Ergebnis vorliegt. Das zweite – ein Mobilgerät, das in Betrieben und Flughäfen genutzt werden kann. Mit einem Gerät können 20 Menschen innerhalb einer Stunde getestet werden.

Das dritte ist ein Gerät, das wir haben werden, mit dem automatisch Massentests durchgeführt werden könnten. Es ermöglicht mehr als 5000 Tests pro Tag. Diese Apparate werden bereits in vier Wochen ausgeliefert. Sie werden in Russland zum Einsatz kommen, und wir werden sie auch den internationalen Märkten anbieten.

– Haben Sie den Umfang der Investitionen kalkuliert, den der Fonds in die Covid-19-Bekämpfung fließen lässt? Sind alle Investitionen rückzahlbar oder sind auch unentgeltliche Einlagen vorgesehen?

– Wir spüren eine große soziale Verantwortung, viele unserer Firmen helfen bei der Covid-19-Bekämpfung – da liegt der Fokus nicht auf finanziellen Gewinnen, sondern auf sozialer Verantwortung.

Wir investierten in Express-Testsysteme und gaben Garantien für eine Summe von mehr als einer Milliarde Rubel. Wir investieren hunderte Millionen Rubel in die Produktion des neuen Medikaments Favipiravir – das ist eines der Medikamente, das in China eine sehr hohe Effizienz zeigte.

Wir planen jetzt auch Investitionen in einen Test der Immuno-Ferment-Analyse – das sind Tests für Antikörper im Blut. Sie funktionieren, wenn der Mensch schon erkrankt ist und sich bei ihm Antikörper gebildet haben.

Zusammen mit der Moskauer Regierung besprechen wir auch den Einsatz von Kameras, die Gesichter erkennen und die Körpertemperatur auf Distanz messen, wir analysieren Investitionen in Systeme der künstlichen Intelligenz zur Unterscheidung einer gewöhnlichen Lungenentzündung von der durch Covid-19 verursachten Lungenentzündung. Wir wollen auch in Unternehmen für die Produktion von antiseptischen Mitteln und anderen medizinischen Produkten investieren. Wir schauen uns die größten Hersteller an und führen mit ihnen Verhandlungen. Zudem gibt es mehrere Vorschläge zum Bau neuer Werke, automatischer Produktionsstraßen und der Aufnahme der Produktion.

Unsere Aufgabe ist jetzt nicht, auf eine hohe Rentabilität zu schauen. Die Aufgabe ist, die Ressourcen und Partnerschaften des Russischen Fonds für Direktinvestitionen möglichst schnell und effektiv zu nutzen, um bei der Virusbekämpfung zu helfen.

– Die nächste Woche wurde in Russland als arbeitsfrei ausgerufen, die Behörden haben bereits ein ganzes Paket von Maßnahmen zur Covid-19-Bekämpfung eingeleitet. Sind diese Maßnahmen, die die Regierung ergreift, aus Ihrer Sicht ausreichend? Hätten Sie vielleicht ein eigenes Rezept?

– Die russische Regierung und die Moskauer Stadtverwaltung arbeiten Tag und Nacht und haben die besten internationalen Erfahrungen analysiert. Es gibt ja die erfolgreichen Erfahrungen von Singapur, Hongkong, Korea. Es gibt leider auch die negativen Erfahrungen Italiens und Spaniens. Natürlich werden bei uns richtige und intensive Maßnahmen zur Eindämmung der Virusverbreitung ergriffen. Eines der wichtigsten Elemente sind die Coronavirus-Tests. Zudem gibt es auch Maßnahmen zur Wahrung der „sozialen Distanz“.

Ich bin sicher, dass richtige Maßnahmen getroffen werden, die die weitere Entwicklung der Wirtschaft ermöglichen. Unseres Erachtens wird es Russland gelingen, diese Prüfung besser als viele andere Länder zu bestehen.

– Wie wird nach Ihrer Auffassung die Welt sein, nachdem das Coronavirus besiegt worden ist? Was wird sich in der Welt verändern? Das Virus hat in China der Entwicklung von digitalen „Remote-Dienstleistungen“ einen starken Schub verliehen. Wird diese Krankheit auch in anderen Ländern die Entwicklung von digitalen Technologien fördern?

– Es besteht kein Zweifel daran, dass das Coronavirus besiegt wird, und Russland wird dabei eine der Schlüsselrollen spielen. Russland verfügt über Erfahrungen bei der Entwicklung von Impfstoffen, die zu den weltweit besten gehören. Wie wir wissen, ist das Virus für 80 Prozent der Menschen nicht so gefährlich.

Natürlich werden neue Technologien entwickelt und umgesetzt. Dabei geht es um Tests, neue Technologien auf dem Gebiet Online-Ausbildung, Online-Meetings. Wir sehen einen wesentlichen Aufschwung von hochtechnologischen Unternehmen. Unter anderem ist bei uns das Wachstum der Firma Doctis nicht zu übersehen. Wir haben beschlossen, dass alle Dividenden nicht unter unseren Aktionären verteilt, sondern für das weitere Wachstum dieser Online-Plattform ausgegeben werden sollten.

Aber ich denke nicht, dass sich die Welt für immer verändern wird. Wir werden diese Probe bestehen und daraus lernen. Künftig wird die Welt natürlich für so etwas besser gerüstet sein.

China erholt sich bereits vom Coronavirus. Es werden wieder Betriebe geöffnet, die Wirtschaft lebt auf…

– Dank der sehr harten Quarantänemaßnahmen wurde die Verbreitung der Infektion innerhalb Chinas wesentlich verlangsamt, sodass eine noch größere Ausbreitung des Virus verhindert wurde. Das erlaubte Kliniken in Peking und anderen Gebieten, die Situation in den Griff zu bekommen. Aber jetzt sehen wir, dass möglicherweise eine zweite Welle der Infektion beginnt, gerade weil kranke Menschen aus anderen Ländern heimkehren. Deshalb wird die Situation in China zwar natürlich besser, aber wir müssen noch sehen, wie sie sich weiter entwickelt.

– Im vorigen Jahr haben Sie einen wichtigen Deal mit der Alibaba Group auf dem Gebiet E-Commerce abgewickelt. Es wurde auch ein Deal auf dem Gebiet der Zahlungs- und Finanzdienstleistungen angekündigt. Wie sind seine Perspektiven?

– Der Fonds für Direktinvestitionen und die Alibaba Group haben sich vor anderthalb Jahren auf strategische Zusammenarbeit in Russland geeinigt. Im Rahmen dieses Deals haben wir letztes Jahr den Aliexpress-Deal abgewickelt. Die Entwicklung von gemeinsamen Zahlungs- und Finanzunternehmen ist die logische Fortsetzung dieses Deals. Die Rolle dieser Unternehmen ist einfach: Sie werden den regelmäßigen Konsum durch die russische Kundschaft auf dieser Handelsplattform, die viele Millionen Käufer zählt, aufrechterhalten bzw. entwickeln.

Vom Erfolg der Aliexpress-Plattform in Russland hängen Zehntausende kleine und mittelständische Unternehmen ab, und zwar nicht nur in China, sondern auch in Russland. Mit den von ihnen verkauften bzw. gelieferten Waren werden etwa 50 Millionen Verbraucher praktisch in jeder Klein- und Großstadt in Russland versorgt. Wenn Kunden bequeme Verrechnungsinstrumente bekommen und die Möglichkeit haben, etwas für Kreditmittel zu kaufen, wenn es ein einfaches Programm zur Belohnung der Verbraucher gibt, ist das das Unterpfand des Erfolgs der Handelsplattform und auch ihres „Satelliten“ im Finanzbereich. Das ist ein enorm wichtiges Projekt zwischen Russland und China, zwischen den Spitzenpolitikern beider Länder.

– Wie gefragt ist unter den aktuellen Bedingungen das Modell des Fonds für Direktinvestitionen? Wie schätzen Sie selbst die Perspektiven der Aktivitäten des Fonds ein?

– Wir sind stolz auf unser Team, auf die Experten, die wir haben und dank denen wir die wichtigsten Investitionen voranbringen können, die unser Land braucht. Wir sind heutzutage gerüstet, solchen Herausforderungen wie dem Coronavirus entgegenzutreten. Und wir investieren in die Branchen, die für unser Land enorm wichtig sind, sowohl in normalen Zeiten als auch in Zeiten von außerordentlichen Herausforderungen.

* Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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