Als Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus sind in der Schweiz alle nicht lebensnotwendigen Eingriffe verschoben wurden. Dies hatte der Bundesrat verfügt, damit die Kapazitäten für Krankenhäuser den Covid-19-Patienten gewidmet werden können. Für viele Krankenhäuser heißt es jedoch momentan, aufgrund dieser Maßnahmen unter großen Verlusten zu leiden.

Das Spital Frauenfeld habe dem Regionalblatt „Thurgauer Zeitung“ mitgeteilt, dass das Problem darin bestehe, die Stationen nicht füllen zu können. Betten und Operationssäle seien leer und täglich verliere das Krankenhaus eine Millionen Franken (950.000 Euro). Allerdings machen diese sogenannten Wahleingriffe, die momentan verschoben wurden, etwa zwei Drittel aller Behandlungen aus. Zudem kommt, dass viele Patienten, die keine Behandlung benötigen, zuhause bleiben. Laut Angaben der Schweizer Zeitschrift „Neue Zürcher Zeitung“ (NNZ) würden Leute auf einen Arztbesuch verzichten, um sich vor Infektionen zu schützen, oder aus der Annahme heraus, dass Ärzte gerade keine Zeit für Patienten haben.

Gehen Krankenhäuser bald Konkurs?

Da mit den abwesenden Patienten auch die Einnahmen fehlen, stehen jetzt schon mehrere Krankenhäuser vor Liquiditätsengpässen. So wird es beispielsweise im Spital Oberwallis Ende April schon knapp, um Löhne an alle Mitarbeiter bezahlen zu können, schreibt die „Sonntagszeitung“. Ohne staatliche Hilfe drohen diese Krankenhäuser, demnächst Konkurs zu gehen. Diese Ängste teilen vor allen Dingen kleinere Spitalanlagen, die schon regulär Mühe hätten, über die Runden zu kommen.

Der Generalsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), Michael Jordi, habe sich infolge dessen bei der NZZ geäußert:

„Wir sind daran, hier das Ausmaß der Ertragsausfälle abzuschätzen sowie die Abgeltung abzuklären und zu regeln. Infrage kommen der Bund und die Kantone, aber auch die Krankenversicherer, die derzeit in den Nicht-Corona-Bereichen substanzielle Minderkosten haben.“

Maßnahmen und Kostenübername

Im Kanton Bern habe es bisher schon eine Notverordnung gegeben, die einen Ausgleich für Ertragsausfälle in Krankenhäusern ermöglicht. Andere, wie beispielsweise das Universitätsspital Zürich (USZ), versuchen, anhand von Kosteneinsparungen ihren Ertragsrückgang zu kompensieren. Diese zeigen sich beispielsweise konkret durch das Abbauen von Überstunden oder das Sparen von Material. Laut einer Sprecherin seien aber viele der Kosten fix, weshalb auch hier bald externe finanzielle Hilfe benötigt werde.

Als Lösung habe der Spitalverband „H+“ versucht, mit dem Gesundheitsminister und Bundesrat Alain Berset in Kontakt zu treten. Der Spitalverband habe um eine baldige Lockerung des Operations- und Behandlungsverbots gebeten, da dieses einer der größten Faktoren sei, der Verlust generiere.

Corona: Immenser Gewinn oder noch größerer Verlust?

Die Meinungen darüber, ob sich das Behandeln von Covid-19-Patienten rentieren würde, gehen auseinander. Laut Angaben der NZZ meine ein „Kenner der Branche“, dass aufgrund der Aufenthaltsdauer (meist mehrere Wochen oder Monate) und der kostspieligen Behandlung die Krankenhäuser sogar Gewinn schaffen könnten.

Anderer Meinung ist Hansjörg Lehmann, der Finanzdirektor am Kantonsspital Winterthur. Zur NZZ habe er gesagt, dass sich durch das Coronavirus viel mehr Zusatzkosten im Wert von mehreren Millionen Franken die Woche ergeben würden. Außerdem sei beim Betrachten der geltenden Abrechnungsregeln noch nicht klar, ob die Behandlungskosten für solche Patienten gedeckt seien. Weiter sagt er: „Hinzu kommen noch die hohen Vorhalteleistungen: für den Aufbau und die Bereitstellung der Infrastruktur sowie des notwendigen Personals für die Behandlung der zu erwartenden großen Anzahl an Covid-19-Patienten.“

Lehmann gibt zudem zu bedenken, dass es aufgrund der vielen Aufschiebungen schnell zu einem Behandlungstau kommen könnte. Dazu komme, dass die meisten Krankenhäuser in der Schweiz schon im Normalbetrieb gut ausgelastet seien. Falls bei Auflösung der Maßnahmen jedoch viele Operationen nachgeholt werden müssen, benötige es auch eine Aufstellung von mehr medizinischem Personal. „Die Ausgaben werden somit für die großen Spitäler wohl deutlich höher sein als in normalen Jahren, die Erlöse hingegen eher niedriger“, so Lehmann zur NZZ.

Situation in Deutschland

Auch in Deutschland sieht die Situation nicht anders aus. Hier habe die Regierung ebenfalls Krankenhäuser dazu aufgefordert, alle planbaren Leistungen zu verschieben. Dabei habe der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) laut dem „Ärzteblatt“ den Geschäftsführern deutscher Krankenhäuser erklärt, „dass kein Krankenhaus durch die Corona-Krise in ein Defizit rutsche“.

lm

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