Nach Einschätzung Kuckelkorns, der durch seine Funktion als Präsident des Festkomitees Kölner Karneval überregional bekannt ist, stellen die strengen Corona-Regeln auch für Beerdigungen eine schwere Prüfung für die Angehörigen dar.

„Hier in Köln finden Trauerfeiern eigentlich gar nicht mehr statt, weil wir die Trauerhallen nicht mehr nutzen dürfen.“

Die Familie dürfe den Sarg oder die Urne zum Grab begleiten. Ein Pfarrer, ein Trauerredner oder ein Familienmitglied könne dort dann ein paar Worte sprechen, aber es gebe nicht mehr die eigentliche Trauerfeier. Auch dürften in Köln nur der jeweilige Partner und die Kinder und Enkel teilnehmen.

„Es ist für die Familien unglaublich schwierig, in diesem Moment der Trauer so alleine zu sein und dann auch noch auf Distanz bleiben zu müssen — gerade in einem Augenblick, wo man körperliche Nähe vielleicht dringend benötigt.“

Die Familienmitglieder stehen laut dem Bestatter sehr weit auseinander und haben „quasi nur Blickkontakt“.

„Das ist schon eine sehr verrückte Situation — so nötig die Regeln auch sind, um das Virus zu bekämpfen.“

Abschied per Videostream

Jemand, der ein reiches Sozialleben gehabt habe, wirke dadurch auf seinem letzten Gang womöglich wie ein Mensch ohne Freundeskreis.

„Trauer braucht Raum und Platz und auch eine gewisse Öffentlichkeit“, sagte Kuckelkorn.

Um wenigstens einen kleinen Ersatz zu schaffen, werde der Abschied am Grab mitunter gefilmt und gestreamt, so dass Freunde und Verwandte die Zeremonie zuhause verfolgen könnten. Außerdem empfehle er allen Angehörigen, die Trauerfeier später nachzuholen. Allerdings werde das dann eine Feier mit einem anderen Charakter sein, da man sich Monate nach dem Tod des geliebten Menschen schon in einer anderen Trauerphase befinde.

Zusätzliche Einschränkungen für Corona-Opfer

Wenn der Verstorbene ein Corona-Patient gewesen sein sollte, komme als zusätzliche Einschränkung hinzu, dass kein Abschied am offenen Sarg möglich sei, sagte Kuckelkorn. Für die Bestatter ändere sich nicht viel, da Vorsichtsmaßnahmen zur Routine gehörten: Auch multiresistente Krankenhauskeime im Leichnam stellten etwa eine potenzielle Gefahr für den Bestatter dar.

Coronavirus

Die Weltgesundheitsorganisation hatte am 11. März den Ausbruch des neuen Covid-19-Erregers als Pandemie eingestuft.

Weltweit wurden nach WHO-Angaben bereits mehr als 697.000 Menschen in 204 Ländern mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert. Registriert wurden bisher 33.257 Todesopfer.

mo/mt/dpa

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