Was hat die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag eigentlich beim Arzt gemacht, der anschließend positiv auf das Coronavirus getestet worden war? Sie ließ sich gegen die Pneumokokken impfen. Noch Anfang März hat sowohl der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als auch Experten besonders gefährdeten Menschen solch eine Maßnahme empfohlen.

Sollte ein Corona-Infizierter zuvor gegen Pneumokokken geimpft worden sein, könnte die Krankheit wenigstens nicht durch eine begleitende Pneumokokken-Infektion kompliziert werden. Damit schützt die Impfung nicht vor dem Covid-19, was auch die Weltgesundheitsorganisation bestätigt, das Risiko für eine Lungenentzündung soll damit aber schon gesenkt werden. Die Lungenentzündung zählt zu den Hauptgefahren bei Menschen mit dem Coronavirus und führte chinesischen Wissenschaftlern zufolge im Corona-Fall oft zum Tod. Alleine an einer Pneumokokken-Infektion sterben in Deutschland nach den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) jährlich schon über 5000 Menschen.

Die Nachfrage nach der Impfung war offensichtlich so hoch,

dass das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, schon vor einigen Wochen einen Lieferengpass hatte melden müssen. Es handelte sich um die beiden gängigen US-Impfstoffe Pneumovax 23 und Prevenar 13. In dieser Hinsicht hat die Ständige Impfkommission, die ehrenamtliche Expertengruppe beim RKI, ihre Priorisierungsempfehlungen herausgegeben, nach denen der Impfstoff Prevenar 13 ausschließlich für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter bis zu einem Alter von zwei Jahren verwendet werden sollte. Mit dem Standardimpfstoff für Erwachsene, Pneumovax 23, werden bundesweit daher nur noch ältere Menschen ab 70 Jahren und Patienten mit Immunschwäche oder mit chronischen Atemwegserkrankungen wie etwa Asthma geimpft.

Die Pharmaunternehmen Merck & Co und Pfizer, die diese Impfstoffe herstellen, verzeichneten in den letzten Wochen ein deutliches Umsatzwachstum. Pneumovax 23 soll nach Angaben des RKI voraussichtlich Anfang Mai wieder lieferbar sind. Es bleibt offen, warum Deutschland kein eigenes Äquivalent für die US-Impfung hat bzw. sich nicht im voraus um die entsprechenden Lieferungen gekümmert hat. 

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