Schild am Eingang der Klinik in Schönebeck bei Magdeburg (Bild vom 2. April).

Eine neue Studie der Georg-August-Universität kommt zum Schluss, dass ein viel größerer Anteil der Bevölkerung mit dem Virus infiziert ist, als es die offiziellen Zahlen der Regierungen darstellen. Damit werden auch die Maßnahmen infrage gestellt, die aufgrund dieser Zahlen getroffen wurden.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bestimmen die Zahlen von positiv getesteten und verstorbenen Menschen die Reaktionen der Regierungen, sowie die Medienberichterstattung. Dabei ist bereits frühzeitig aufgefallen, dass es von Land zu Land Unterschiede gibt, was sowohl die Mortalitätsrate, aber auch die Fallzahlen selbst betrifft.

Im ganzen Land – wie hier im Rheinpark in Düsseldorf – überwachten Polizeistreifen die Einhaltung des Distanzgebotes. Ob die restriktiven Maßnahmen gegen das Corona-Virus erfolgreich sind, sollte sich im Lauf der Woche zeigen.

Diese Unterschiede rühren daher, dass im Vergleich zu China oder Südkorea in den meisten Ländern Europas nur sehr wenige Tests durchgeführt wurden. So soll laut der Studie bis zum 31. März in Italien lediglich 3,5 Prozent aller Infizierten entdeckt worden sein, in Spanien 1,7 Prozent und Großbritannien und den USA bis zu dem Zeitpunkt sogar noch weniger. In Deutschland hingegen wurde schätzungsweise bei 15,6 Prozent der Menschen der SARS-CoV-2-Erreger festgestellt, während es in Südkorea rund 50 Prozent waren.

So hat man in Italien anfänglich fast ausschließlich jene Menschen getestet, die bereits mit schweren Symptomen ins Krankenhaus gekommen sind. Daher sollte es nicht weiter verwundern, wenn die Mortalitätsrate zwischendurch bei 9,5 Prozent lag. Dazu kommt, dass die Rechtsmediziner auch Obduktionen bei den Verstorbenen durchgeführt haben, die mit positivem Test in die Statistik aufgenommen wurden. Allerdings blieb dabei die Frage unbeantwortet, ob das Corona-Virus auch tatsächlich die Todesursache war. 

Eine weitere, vielleicht entscheidende Frage ist die, wie weit sich der Erreger in der Bevölkerung verbreiten konnte. Darin kommen die Autoren der Studie der Georg-August-Universität in Göttingen zu einem Ergebnis, das darauf hindeutet, dass die Ansteckungsrate bereits zu diesem Zeitpunkt sehr viel weiter war, als es die offiziellen Zahlen widerspiegeln.

In Deutschland soll es bis Ende März bereits über 460.000 Infizierte gegeben haben (offiziell 61.913), in Italien rund drei Millionen (offiziell 105.792), in Spanien mehr als fünf Millionen (offiziell 94.417) und in den USA sogar mehr als zehn Millionen (offiziell 164.610). Aus diesem Grund sagte der Leiter der Studie, Prof. Dr. Sebastian Vollmer:

Diese Ergebnisse bedeuten, dass Regierungen und Entscheidungsträger bei der Interpretation der Fallzahlen zum Zwecke der Planung äußerte Vorsicht walten lassen müssen. Solche extremen Unterschiede in Umfang und Qualität der in den verschiedenen Ländern vorgenommenen Tests bedeuten, dass die offiziellen Fallzahlen größtenteils uninfomartiv sind und keine hilfreichen Informationen liefern.

Und trotzdem sind es genau diese „uninformativen und nicht hilfreichen Informationen“, die von den Regierungen als Grundlage für ihre Entscheidungen zum Herunterfahren der Wirtschaften und Ausgangsbeschränkungen herangezogen wurden. 

Unterdessen stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine erste Lockerung nach den Osterferien in Aussicht. Es sei ein „positiver Trend“ bei den Neuinfektionen zu verzeichnen, der sich allerdings noch „verstetigen“ müsse. Das könne allerdings nur erreicht werden, wenn sich die Menschen auch weiterhin an die Ausgangsbeschränkungen halten, sagte Spahn am Donnerstag. 

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