Als Hauptmerkmale des britischen Humors gelten neben Trockenheit auch schwarzer Humor, unverblümte Direktheit, Absurdität und Understatement. Das wird sich auch der Kopf der Satire-Partei „die Partei“ und Europaabgeordnete Martin Sonneborn gedacht haben, als er diesen Tweet über Boris Johnsons Corona-Krankenhausaufenthalt absetzte:

​Unglücklicherweise liegt Boris Johnson nun auf der Intensivstation, und somit erscheint der Tweet Sonneborns in einem neuen Kontext. Auch dass er in seiner Reaktion auf die Kritik um Verständnis für „ein bisschen Schadenfreunde“ wirbt, stößt bei vielen Twitter-Nutzern bitter auf:

​Noch Anfang März hatte Johnson damit geprahlt, dass er Menschen in einem Krankenhaus, darunter Covid-19-Patienten, die Hände geschüttelt habe. Das werde er auch weiterhin tun, sagte er damals. Seine Politik der „Herdenimmunität“, welche weitgehen ohne Beschränkungen im öffentlichen Leben auskommen sollte, um möglichst viele Menschen gegen Covid-19 zu immunisieren, gab die britische Regierung erst nach Kritik von Politikern und Experten im In-und Ausland auf. Durch diesen Schlingerkurs habe sie wertvolle Zeit verloren, um den Ausbruch einzudämmen, wird ihr nun von verschiedenen Seiten vorgeworfen. Im chronisch unterfinanzierten Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) gibt es zudem nicht genügend Tests, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte. Erste Kliniken meldeten nach britischen Medienberichten sogar einen Mangel an Sauerstoff für die Beatmung der Lungenkranken.

​Wenn es „bei der Schaffung von ‚Herdenimmunität‘ den dämlichen Leithammel als erstes“ erwische, sei Schadenfreude für ihn in Ordnung, so Sonneborn. Auf den folgenden Hinweis, dass es keine Satire mehr sei, wenn jemand vielleicht bald ein Beatmungsgerät brauche, meinte er: „Ich fürchte, ich muss Sie hier mal wegen Dummheit blockieren“. Auch ZDF-Reporterin Nicole Diekmann übte indirekt Kritik an Sonneborns Äußerung:

​Der ehemalige Chefredakteur der „Titanic“ erntet aber nicht nur Widerspruch im Netz:

​Jedoch die Qualitätsmedien „T-online“, „Wochenblick“ aus Oberösterreich und die „Junge Freiheit“ stiegen ein in den Reigen der Kritiker. Gemein haben viele Sonneborn-Kritiker, dass sie in der Satire des Partei-Parteichefs eine grundlegende Haltung „Linker“ sehen. Stellvertretend dafür könnte der rechtspopulistisch bis rechtsextreme Internet-Blog „Journalistenwatch“ stehen, der fragt: „Wünscht Martin Sonneborn Boris Johnson den qualvollen Corona-Tod?“

Auch im Vereinigten Königreich wird man den Tweet nicht gerade mit Wohlwollen wahrgenommen haben. Der britische Journalist und Moderator (CNN) Piers Morgan, der vor einer Woche die britische Regierung für ihre Politik in der Corona-Krise noch scharf kritisiert hatte, forderte nun auf Twitter auf: „Falls du nichts Positives über Boris Johnson zu sagen hast, dann halte verdammt nochmal die Klappe. Der Mann ist unser Premierminister und kämpft gerade um sein Leben.“

​Inwieweit dies den Abgeordneten im Europäischen Parlament, Sonneborn, beeindruckt, sei dahingestellt. Der Brexit ist bekanntlicherweise in trockenen Tüchern, nicht zuletzt wegen Boris Johnson.

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