Im Zuge des Coronavirus versuchen Regierungen verschiedener Länder Möglichkeiten zu finden, das Virus einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen. Dennoch zeigt sich das Beobachten und Überwachen der Vermeidung sozialer Kontakte als eine schwere Aufgabe. So haben asiatische Länder wie China und Südkorea nach Angaben der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) erstmals von Tracking-Apps Gebrauch gemacht. Diese seien speziell dafür entwickelt worden, um die GPS-Daten ihrer Benutzer an die Behörden weiterzuleiten. Damit sei auch schnell ersichtlich, ob sich Bürger an einschränkende Maßnahmen halten oder nicht.

Auch in Europa kann der Standort erfasst werden

Doch nicht nur dort werden solche Daten zur Analyse gebraucht: Genauso erhalten auch die österreichische und die deutsche Regierung Einblick in die Daten der Smartphone-Nutzer. Dazu habe der österreichische Telekommunikationsanbieter A1 Bewegungsprofile seiner Nutzer erstellt und an den Krisenstab der Regierung verschickt. Auch der deutsche Anbieter Telekom habe Daten an das Robert-Koch-Institut weitergegeben. Diese Daten seien wichtig für die Wissenschaftler, damit diese sehen würden, ob sich die Bevölkerung an die eingeschränkten Ausgangsmaßnahmen halte.

Einsicht der Bewegungsdaten in der Schweiz

Dies gilt jedoch nur für streng anonymisierte Daten. So überlegt sich auch die Schweiz in dieses Programm einzusteigen. Das Bundesministerium für Gesundheit (BAG) teilte am Donnerstag der NZZ mit, dass es Methoden suche, wie die Sicherheit der Nutzer am besten gewährleistet sei. Ein Sprecher sagte dazu:

„Die Bewegungsdaten erheben nicht Daten von Einzelpersonen, sondern die Ansammlung von Personengruppen.“

Noch hätten die Telekomanbieter der Schweiz – Swisscom, Sunrise und Salt – keine Daten an staatliche Behörden weitergegeben. Bisher sei das BAG jedoch im Austausch mit dem deutschen Anbieter Telekom. Aufgrund des Kontakts der Antennen mit den Handys könne der Anbieter nämlich den ungefähren Standort der Mobilgeräte bestimmen. Die Lage selbst sei nicht so konkret angegeben wie bei Apps (beispielsweise Google Maps), doch könnten dadurch Bewegungsmuster erkennbar gemacht werden. Diese wiederum können auf Menschenansammlungen schließen lassen. Auch hier werde streng auf die Anonymität geachtet.

Ähnliche Projekte schon durchgeführt

Ein ähnliches Vorgehen soll auch in der Vergangenheit bei Schweizer Anbietern möglich gewesen sein. So habe der führende Telekommunikationsanbieter Swisscom solche anonymen Bewegungsdaten der Gemeinde Pully im Kanton Waadt weitergeleitet. In einem Projekt 2016 der Waadtländer habe der Versuch stattgefunden, den Verkehrsfluss der Stadt zu verbessern, indem man solche Daten analysiert habe. Der Datenschutz wäre nach Angaben der Swisscom in solchen Projekten gewährleistet. Zur NZZ sagte ein Sprecher: „Die Analyse von Bewegungsdaten kann nach dem Fernmeldegesetz immer nur vollständig anonymisiert erfolgen. Die Swisscom erstellt keine individuellen Bewegungsprofile von Kunden.“

lm/gs

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