Die Reaktion der Russisch-Orthodoxen Kirche auf die angespannte Lage in der COVID-19-Pandemie sorgte bei der Bevölkerung für Stirnrunzeln. Jenen, die gerne mal zu tief ins Glas schauen, wird die neue Maßnahme allerdings gefallen.

Kirchengänger in Moskau, die die Heilige Kommunion empfangen möchten, werden künftig mehr Kagor (Altarwein) als üblich erhalten. In einem Gespräch mit dem Radiosender Goworit Moskwa  verteidigte Erzpriester Leonid Kalinin die Maßnahme mit Verweis auf Virologen:

Laut Virologen ist der Alkoholgehalt im Kagor hoch genug, um diese Viren abzutöten. Wir schenken in unserem Gotteshaus bei der Vorbereitung zur Eucharistie jetzt tatsächlich doppelt so viel Kagor ein.

Kalinin fügte hinzu, dass der Kirchenwein in Einweggläsern eingeschenkt werde. Außerdem sei es den Gemeindemitgliedern nun verboten, das Kreuz und die Ikonen zu küssen. Darüber hinaus betonte der Erzpriester, dass alle Heiligtümer mit Antiseptika behandelt werden. Vergangenen Monat hatte die Weltgesundheitsorganisation alle Gläubigen aufgefordert, aufgrund von COVID-19 keine Ikonen mehr zu küssen.

Mehrere Virologen meldeten sich anschließend zu Wort und dementierten die Aussagen des Erzpriesters, wonach Alkohol das Corona-Virus abtöten könne. Alkohol würde den Gesundheitszustand der Patienten nur verschlimmern, erklärte der Virologe Aleksandr Butenko im Gespräch mit Gazeta.ru.

Insgesamt gab es am Dienstag 114 Fälle von COVID-19-Erkrankungen in Russland. Das Land hatte bereits vor Wochen die mehr als 4.000 Kilometer lange Grenze zum Nachbarland China geschlossen. Auch die Grenzen für alle einreisenden Ausländer wurden diese Woche geschlossen. Für alle russischen Schulen wurden vom 23. März bis zum 12. April Schulferien angekündigt. In Moskau wurden alle Sport- und Kulturveranstaltungen abgesagt. Eine Quarantäne für die Millionenstadt Moskau sei bislang nicht geplant, hieß es von der Stadtverwaltung.

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