Man prüfe Alternativen für die Fertigstellung des Pipelineprojekts Nord Stream 2, dessen Inbetriebnahme man „innerhalb einer von der Vernunft her möglichen Frist“ anstrebe, heißt es in einer Mitteilung des russischen Energiekonzerns.

Auffällig ist hierbei die Vieldeutigkeit der Datumsangabe. „Und Gazprom tut auch gut daran, weder ein bestimmtes Datum zu nennen noch bestimmte Sachverhalte zu erklären. Es gilt im Moment, Risiken und Präventivsanktionen zu vermeiden“, sagt der Analyst Igor Juschkow von der Stiftung Nationale Energiesicherheit im Sputnik-Gespräch. „Also schweigt der Konzern besser“, fügt der Experte hinzu und verweist darauf, dass inzwischen Bewegung in die Sache um die Fertigstellung der Ostsee-Pipeline gekommen sei.

„Zumindest hat der Rohrverleger ‚Akademik Cherskiy‘ den Hafen Mukran verlassen und ist auf dem Weg nach Kaliningrad. Fährt der Rohrleger dann aus Kaliningrad in Begleitung von Versorgungsschiffen weiter, ist die Wiederaufnahme des Pipelinebaus durchaus wahrscheinlich. Versorgungsschiffe können ja, weil sie Mukran vorher angelaufen hatten, Rohre für die Fertigstellung von Nord Stream 2 geladen haben. Die ‚Akademik Cherskiy‘ selbst kann auch mit Leitungsrohren beladen worden sein: Das Schiff hat im Moment einen großen Tiefgang, wie Schiffstracker zeigen. Kommen noch andere Schiffe in Bewegung, kann es durchaus sein, dass sie alle an einem Punkt zusammenkommen, um die Pipeline fertigzustellen. Ich denke, mit der Fertigstellung zu beginnen, ist noch für dieses Jahr geplant, was auf eine Inbetriebnahme in 2021 sinnen lässt. Aber, wie gesagt, ein konkretes Datum zu nennen, wäre momentan leichtsinnig.“

Nord Stream 2 ist ein Pipelineprojekt der Energiekonzerne Gazprom, Royal Dutch Shell, Engie, OMV, Uniper und Wintershall Dea. Es soll eine Erdgasleitung von der Küste Russlands über die Ostsee bis zur Küste von Deutschland gebaut werden, für eine Jahreskapazität von 55 Milliarden Kubikmetern Erdgas.

Die Vereinigten Staaten torpedieren das Vorhaben, auch um Vorteile für den Absatz von amerikanischem Flüssiggas in Europa zu erzwingen. So hat Washington im Dezember letzten Jahres im Rahmen eines Militärgesetzes scharfe Sanktionen gegen Firmen verhängt, die bisher am Bau von Nord Stream 2 beteiligt waren. Im Moment diskutieren die Machthaber in Washington eine Verschärfung der Nord Stream 2-Sanktionen.

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