Bis zu 90 Eurofighter und 45 F-18 will das Bundesverteidigungsministerium in den kommenden Jahren als Tornado-Nachfolge beschaffen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat dieses Vorhaben noch nicht bestätigt, aber Agenturmeldungen zufolge sind diese Planungen bereits im Gespräch zwischen Politikern und Industrievertretern.

Die 45 Kampfjets von Boeing teilen sich demnach nochmals in zwei Flugzeugtypen auf: in 30 Jagdbomber F/A-18E/F und 15 sog. ECR-Flugzeuge EA-18G. Diese dienen dazu, gegnerische Flugabwehrstellungen zu orten, niederzuhalten und zu bekämpfen. Die deutsche Luftwaffe setzt bei solchen Missionen sog. ECR-Tornados ein.  

Gegenwärtig nutzt die deutsche Luftwaffe 93 Tornados aller Versionen und 141 Eurofighter. Die Hälfte der 90 geplanten Eurofighter würde einen Teil der Tornados ersetzen, die andere Hälfte ist als Ersatz für die älteren Eurofighter der Bundeswehr (sog. Tranche 1) vorgesehen.

Die Bundesregierung hatte auch erwogen, den Kampfjet F-35 von Lockheed Martin als Tornado-Nachfolge zu beschaffen, entschied sich jedoch später für den Eurofighter als eine schnell verfügbare und für die Truppe vertraute Maschine, schreibt das Portal „The Drive“.

Ein Thema nach dieser Entscheidung war aber, ob die Eurofighter Deutschland dazu befähigen können, seine NATO-Verpflichtungen zur „nuklearen Teilhabe“ zu erfüllen. Gemeint ist damit die Verpflichtung der deutschen Luftwaffe, im Kriegsfall amerikanische Atombomben vom Typ B61 abwerfen zu können, die auf dem Fliegerhorst Büchel und auf anderen europäischen Standorten der US-Armee für den Fall eines Krieges gelagert werden.

Die deutschen Tornado-Jagdbomber sind für den Einsatz dieser Kernwaffe zertifiziert. Auch auf den Einsatz mit der neuesten Ausführung dieser US-Atombombe – mit der B61-12 – sind die Tornados bereits getestet worden. Eine Zertifizierung dieser Art hat unterdessen weder der Eurofighter noch die F-18.

Zwar erklärte Airbus, das europäische Kampfflugzeug künftig für die nukleare Teilhabe zertifizieren zu können. Aber es hatte bereits Jahre gedauert, bis der Eurofighter überhaupt seine Mehrzweckfähigkeit erreichte, schreibt „The Drive“. Die Zertifizierung für die US-Bombe wäre laut dem Portal eine zusätzliche zeitaufwendige Hürde. Die jetzige Entscheidung für die F-18 bedeutet offenbar, dass dieses Flugzeug schneller an den Einsatz mit der B61-Bombe angepasst werden kann.

Dass der amerikanische Kampfjet auch in der ECR-Version – also als EA-18G – beschafft wird, kommt noch hinzu. Die EA-18G ist unerlässlich, um den Jagdbomber F/A-18E/F bei konventionellen, aber auch atomaren Strikes gegen Gegner zu decken, deren Lufträume durch hochentwickelte Flugabwehr gesichert sind – also gegen Länder „wie Russland“, schreibt „The Drive“.

Das Verteidigungsministerium will laut dem Portal 2025 mit der Diensteinführung der neuen Kampfflugzeuge beginnen, damit die Fähigkeit zur nuklearen Teilhabe lückenlos gegeben ist, wenn der letzte Tornado 2030 ausgemustert wird. Der Kauf in den USA ist nebenher ein Signal an die NATO, dass Deutschland seine Rüstungsanstrengungen erhöht – auch, um der Kritik zu begegnen, man tue nicht genug, um das Zwei-Prozent-Ziel der NATO zu erreichen.

Währenddessen warnen die IG Metall und Betriebsräte in einem Brandbrief vor dem Kauf amerikanischer F-18 anstelle des Eurofighters. 100.000 Arbeitsplätze in Europa seien vom Eurofighter abhängig, darunter 25.000 in Deutschland.

„Der Kauf der F-18 würde nicht nur deutsches Steuergeld in Milliardenhöhe in die USA fließen lassen, sondern gleichzeitig die Zukunft der militärischen Luft- und Raumfahrt in Deutschland gefährden“, heißt es in einem Brief an Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Kanzleramtsminister Helge Braun.

Der Kauf der F-18-Kampfjets kann noch andere Probleme auslösen. Der Eurofighter ist ein für die deutschen Kampfpiloten vertrautes Flugzeug, hingegen sind die F/A-18E/F und die EA-18G für die Luftwaffe absolut unbekannt. Das kann die volle Einsatzbereitschaft der Maschinen gefährden oder zumindest verzögern, schreibt „The Drive“. Auch ist eine Flotte von 45 Kampflugzeugen relativ klein, sodass über die Zeit erhöhte Betriebs- und Bereitschaftskosten für die Bundeswehr nicht auszuschließen sind.

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