Ein Mann auf dem fast leeren Broadway im Finanzbezirk von New York City, New York, USA, am 23. März 2020.

Meldungen rapide steigender Zahlen von Corona-Infektionen und Todesfällen erschüttern die USA. Erste Analysen belegen, dass die soziale Schieflage in dem Land auch Auswirkungen auf die Ausbreitung der Pandemie hat – bestimmte Gebiete und Bevölkerungsgruppen sind stärker gefährdet.

Die US-Regierung hat eingeräumt, dass das Corona-Virus Afroamerikaner besonders stark trifft. „Wir sehen starke Anhaltspunkte dafür, dass Afroamerikaner in weitaus größerem Umfang betroffen sind als andere Bürger unseres Landes“, sagte US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz am Dienstag. In einigen Tagen werde man entsprechende Statistiken dazu veröffentlichen. Trump sagte zu, an der Angelegenheit zu arbeiten, ohne Einzelheiten zu nennen.

Die Washington Post berichtete am Dienstag unter Berufung auf Daten einiger lokaler Behörden, dass mehrheitlich afroamerikanische Landkreise teils dreimal so viele Infektionen und fast sechsmal so viele Todesfälle vermeldeten wie Landkreise, in denen weiße Amerikaner in der Mehrheit seien.

US-Medien besorgt – Trump dementiert. Washington, DC, 05.04.2020: US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident Mike Pence und Konteradmiral John Polowczyk, Leiter der Logistik-Taskforce der FEMA, bei einer Pressekonferenz der Arbeitsgruppe Corona-Virus

Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, führte dies auf derselben Pressekonferenz auf eine „Verschlimmerung eines Gesundheitsgefälles“ zurück. Erkrankungen wie Herzkrankheiten und Diabetes seien bei den Afroamerikanern häufiger zu verzeichnen als bei anderen Gruppen, sagte Fauci. Solche Vorerkrankungen machten eine Verlegung auf die Intensivstation wahrscheinlicher.

Strukturelle Benachteiligungen machen sich bemerkbar

Bislang haben lediglich lokale Behörden wie Städte oder Bundesstaaten Statistiken veröffentlicht. Davon weisen nicht alle die ethnische Zugehörigkeit aus. In der Millionenmetropole Chicago, in der knapp ein Drittel der Bewohner Afroamerikaner sind, zeigt sich Behördenangaben zufolge der Unterschied besonders stark. Unter den bis Dienstag vermeldeten 140 Toten waren demnach 95 Afroamerikaner (etwa 67 Prozent), unter den rund 5.500 Infizierten waren es etwa die Hälfte.

Auch in New York seien überproportional viele Latinos und Afroamerikaner erkrankt – obwohl Schwarze nur neun Prozent der Bevölkerung des Staates ausmachten, waren 18 Prozent der Toten Afroamerikaner, wie aus offiziellen Zahlen hervorgeht.

Im Landkreis Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin seien rund 70 Prozent der Todesfälle nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 Schwarze, obwohl sie nur etwa 26 Prozent der Bevölkerung stellten, schrieb die Washington Post. Im Bundesstaat Michigan waren demnach etwa ein Drittel der Corona-Infizierten und rund 40 Prozent der Toten Afroamerikaner – bei einem Bevölkerungsanteil von rund 14 Prozent.

Afroamerikaner hätten „eher einen niedrigen sozioökonomischen Status, was es schwieriger macht, soziale Distanz zu wahren“, sagte der oberste Gesundheitsbeamte der US-Regierung, Vizeadmiral Jerome Adams, dem Sender CBS. Weitere strukturelle Ungleichheiten wie fehlende Absicherung durch eine Krankenversicherung tragen nach Ansicht von Experten wahrscheinlich ebenfalls dazu bei.

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